Wie Technik unseren Alltag verändert hat
Es ist ein ganz gewöhnlicher Freitagnachmittag im ICE 28 auf dem Heimweg von Mainz nach Dortmund. Vor mir liegt ein iPad, auf dem ich die ersten Zeilen dieses Beitrags schreibe. Um mich herum arbeiten Menschen an Notebooks, Tablets und Smartphones. Einige nehmen vielleicht an Videokonferenzen teil, andere beantworten E-Mails, wieder andere spielen ein Spiel oder scrollen durch soziale Netzwerke. Kaum jemand scheint sich noch daran zu stören, dass sich Arbeit, Freizeit und Kommunikation längst denselben Geräten bedienen.
Dabei verläuft auch diese Zugfahrt gerade nicht ganz reibungslos. Wegen einer technischen Störung irgendwo unterwegs hat der Zug bereits Verspätung, die Klimaanlage ist komplett ausgefallen und das Zugpersonal verteilt gerade Wasser und Apfelschorle an die Fahrgäste. Technik macht vieles möglich – perfekt ist sie deshalb noch lange nicht.
Während ich schreibe, denke ich darüber nach, wie selbstverständlich all das geworden ist. Ein Tablet genügt heute, um Artikel zu verfassen, Fotos zu bearbeiten, auf Dokumente in der Cloud zuzugreifen oder mit Menschen auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten. Vieles davon hätte ich mir vor vierzig Jahren nicht einmal vorstellen können.
Eine kleine Zeitreise beginnt
Der eigentliche Anstoß zu diesem Beitrag kam allerdings nicht eben im Zug, sondern einige Tage zuvor beim Ausmisten und Aufräumen in unserem Keller. In diversen Kisten und Schubladen tauchten nach und nach alte Wegbegleiter von mir auf: ein Nokia 6110, eine Nokia-Datenkarte für mobiles Internet, eine Canon EOS 300D, PCMCIA-Netzwerkkarten, ein Surface RT und viele weitere Geräte, die mich über Jahre oder sogar Jahrzehnte begleitet haben.
Zunächst wirkten sie wie ausrangierte Technik. Doch je länger ich sie betrachtete, desto mehr Erinnerungen kehrten zurück. Nicht die Geräte selbst waren das Interessante. Sie erzählten Geschichten von Orten, Menschen und Erlebnissen: von Nachmittagen vor einem Schneider CPC im Karstadt in Recklinghausen, von Telefonzellen in London und auf Norderney, vom ersten Modem zu Hause, von Gesprächen mit meiner Mutter aus Florida, von einer selbst aufgebauten Bildergalerie während einer Kalifornienreise und schließlich von einer Arbeitswelt, in der künstliche Intelligenz mich heute beim Gedankensammeln und Recherchieren für diesen Beitrag unterstützt.
Mehr als eine Technikgeschichte
Dieser Artikel ist deshalb keine Chronik alter Computer und Mobiltelefone. Er ist auch keine vollständige Geschichte der Digitalisierung. Vielmehr ist er eine persönliche Zeitreise durch vier Jahrzehnte technischer Entwicklungen – erzählt anhand der Geräte, die mich begleitet haben, und der Veränderungen, die sie in meinem Alltag ermöglichten.
Denn rückblickend wurde mir eines besonders deutlich: Nicht die Technik hat mein Leben geprägt. Sie hat immer wieder neue Möglichkeiten eröffnet, Menschen näher zusammengebracht und meinen Blick auf die Welt verändert. Und genau diese Reise möchte ich mit geneigten Leser:innen teilen.
Als Computer noch Schaufenster waren - Schule, Silentium und ein fester Nachmittagsrhythmus
Meine Begeisterung für Computer begann nicht erst im Studium oder im Beruf, sondern viele Jahre früher – während meiner Schulzeit an der Maristenschule in Recklinghausen. Als ich dort zur Schule ging, war sie noch eine reine Jungenschule – erst einige Jahre nach meinem Wechsel auf das benachbarte Gymnasium wurden dort ab 1992 auch Mädchen aufgenommen.
Zu meinem festen Tagesablauf gehörte das sogenannte Silentium. Nach dem Unterricht wurde zunächst gemeinsam zu Mittag gegessen, anschließend erledigten wir unter Aufsicht von Frater Joseph unsere Hausaufgaben. Die Lehrkräfte standen dabei für Fragen zur Verfügung und kontrollierten die Aufgaben noch am selben Nachmittag. Für meine Mutter, die berufstätig war, bedeutete das eine große Entlastung. Sie konnte sicher sein, dass die Hausaufgaben bereits erledigt waren, bevor ich nach Hause kam.
Dadurch blieb nach Schulschluss Zeit für etwas anderes. Genau diese freie Zeit sollte meinen weiteren Weg stärker beeinflussen, als ich damals ahnen konnte.
Vom Dorf in die große Stadt
Nach Schulschluss führte mich mein Weg meist zu Fuß quer durch die Recklinghäuser Innenstadt bis zum Hauptbahnhof. Von dort aus fuhr ich mit dem Bus zurück nach Oer-Erkenschwick.
Für mich als Schüler aus der Nachbarstadt wirkte Recklinghausen damals beinahe wie eine Großstadt. Ich sage bis heute oft, dass ich ‚vom Dorf komme‘ – was regelmäßig für Schmunzeln sorgt. Im Ruhrgebiet versteht man sofort, was gemeint ist, und meine Frau, gebürtige Dortmunderin, würde diese Aussage wahrscheinlich sofort unterschreiben. Außerhalb der Region fällt die Reaktion dagegen oft anders aus. Kolleg:innen aus anderen Bundesländern verbinden mit einem Dorf eher einen Ort mit wenigen hundert Einwohner:innen, in dem sich alle beim Vornamen kennen. Oer-Erkenschwick hatte damals wie heute ein Vielfaches davon. Trotzdem fühlte es sich aus meiner kindlichen Perspektive klein an. Recklinghausen dagegen bot die großen Kaufhäuser, eine lebendige Fußgängerzone und Geschäfte, die es bei uns nicht gab. Allein durch die Innenstadt zu schlendern, war jedes Mal ein kleines Erlebnis.
Zwischen Kaufhaus und Heimcomputer
Mein Weg endete fast immer bei Karstadt. Während andere vielleicht die Spielwarenabteilung oder die Schaufenster der Modegeschäfte interessierten, führte mich mein Weg fast wie selbstverständlich in die Computerabteilung.
Einen eigenen Computer besaß ich damals noch nicht. Das war keineswegs ungewöhnlich. Heimcomputer waren in den 1980er-Jahren teuer und für viele Familien ein Luxus. Wir waren nicht arm. Aber ein Computer gehörte damals einfach nicht zu den Dingen, die ein Kind unbedingt haben musste. Umso faszinierender war es für mich, dass die Geräte im Karstadt frei ausprobiert werden konnten. Auf kleinen Schreibtischen mit passenden Sitzgelegenheiten standen verschiedene Heimcomputer bereit. Dort konnte man Platz nehmen, Programme ausprobieren und in aller Ruhe experimentieren. Für mich war das jedes Mal ein kleines Paradies.
Unter all diesen Computern zog mich jedoch immer wieder der Schneider CPC 464 an. Stundenlang saß ich davor, experimentierte mit ersten BASIC-Programmen und versuchte zu verstehen, wie sich mit wenigen Zeilen Programmcode Texte, Grafiken oder kleine Abläufe erzeugen ließen. Als später der Schneider CPC 664 mit seinem integrierten Diskettenlaufwerk vorgestellt wurde, wirkte das auf mich wie ein weiterer Schritt in eine Zukunft, die gerade erst begann.
Zwischen BASIC, Disketten und Musik
Rückblickend erinnere ich mich nicht nur an die Computer selbst. Es sind oft die kleinen Details, die im Gedächtnis geblieben sind. Die Computerabteilung lag eingebettet zwischen der Kleintier- und Musikabteilung im zweiten Stock. Offenbar war dort damals jemand ein großer Fan der Talking Heads, denn Road to Nowhere lief gefühlt den ganzen Nachmittag rauf und runter. Das Lied hat sich dabei dermaßen in meinem Kopf eingebrannt, dass mir bis heute noch die abschließende Textzeile ‚We’re on a road to nowheeeeere‘ durch den Kopf geht.
Die Computerabteilung war damals ein erstaunlich ruhiger Ort. Während sich in der benachbarten Musikabteilung die Menschen zwischen Schallplatten, Musikkassetten und später den ersten CDs drängten, verirrten sich nur wenige in den Bereich der Heimcomputer. Computer waren noch kein Alltagsgegenstand. Die meisten Besucher:innen gingen neugierig daran vorbei oder warfen einen kurzen Blick auf die Bildschirme. Gerade diese Ruhe machte den Ort für mich so besonders. Während andere nach wenigen Minuten weitergingen, konnte ich mich stundenlang ungestört mit den Computern beschäftigen.
Dort tippte ich BASIC-Programme aus Computerzeitschriften ab, suchte geduldig nach Tippfehlern und freute mich, wenn sich am Ende tatsächlich etwas auf dem Bildschirm bewegte. Gerade diese Unmittelbarkeit machte den Reiz aus. Der Computer war damals kein fertiges Werkzeug, sondern vor allem eine Einladung zum Ausprobieren.
Mein damaliger Klassenlehrer Peter Heilborn brachte es eines Tages auf den Punkt, als er mich dort antraf: „Du hast einen Faible für diese Computer, oder?“ Damals war das für mich einfach nur eine beiläufige Bemerkung. Erst viele Jahre später wurde mir bewusst, wie treffend diese Einschätzung gewesen war.
Neugier als eigentlicher Anfang
Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, wird mir gelegentlich eine Frage gestellt, die ich damals niemals hätte beantworten können: Wann hast du eigentlich beschlossen, beruflich etwas mit Computern zu machen?
Die ehrliche Antwort lautet: Gar nicht.
Ich hatte keinen Plan, Administrator zu werden. Ich wollte keine bestimmte Programmiersprache lernen und auch keine Computer in Unternehmen betreuen. Ich war einfach neugierig. Ich wollte verstehen, wie diese Geräte funktionierten, was man mit ihnen machen konnte und warum manchmal etwas funktionierte – und manchmal eben nicht.
Rückblickend erscheint mir genau diese Neugier als der eigentliche Anfang. Entscheidend waren nicht der Schneider CPC, das BASIC oder das Diskettenlaufwerk. Entscheidend war der Wunsch, Technik zu verstehen, Dinge selbst auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen. Vieles von dem, was später meinen beruflichen Weg als Administrator, IT-Trainer, Consultant und Autor prägen sollte, war in diesen Nachmittagen bereits angelegt – ohne dass ich es damals ahnte.
Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, erinnere ich mich deshalb weniger an einen Kaufhausbesuch als an mein erstes Computerzimmer. Es befand sich nicht zu Hause, sondern mitten im Karstadt im beschaulichen Recklinghausen.
Die Welt war groß – und trotzdem erreichbar
Zu Beginn der Oberstufe besuchte ich das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Recklinghausen. Für die Leistungskurse arbeiteten damals mehrere innenstadtnahe Gymnasien eng zusammen. Dadurch konnten die Schüler:innen aus einem deutlich größeren Angebot wählen und besuchten – je nach Fächerkombination – einzelne Kurse an einer der Partnerschulen. Für meinen Englisch-Leistungskurs bedeutete das, dass ich regelmäßig zum Hittorf-Gymnasium wechselte.
Unser Kurs war ungewöhnlich klein. Wir bestanden aus gerade einmal fünf Schüler:innen – vier Mädchen und ich als einziger Schüler. Rückblickend war das fast schon ein wenig elitär. Die geringe Größe sorgte für eine sehr persönliche Lernatmosphäre und einen intensiven Austausch, wie ich ihn in dieser Form später nur noch selten erlebt habe.
Geleitet wurde der Leistungskurs von Benno Jost-Westendorf. Wer ihn erlebt hat, erinnert sich weniger an klassischen Englischunterricht als an einen Lehrer, der seine Begeisterung für Sprache, Literatur und Großbritannien auf seine ganz eigene Weise vermittelte. Seine Erzählungen machten neugierig, seine Erwartungen forderten uns heraus, und zugleich schenkte er uns ein bemerkenswert großes Vertrauen.
Den Höhepunkt bildete unsere Studienfahrt nach London. Natürlich standen gemeinsame Programmpunkte auf dem Plan, doch ebenso selbstverständlich ließ uns Jost-Westendorf große Freiräume. Gerade diese Freiheiten machten die Reise für mich zu etwas Besonderem. Nach den offiziellen Besichtigungen oder am Abend blieb oft genügend Zeit, die Stadt gemeinsam oder auch allein zu erkunden. Heute erscheint mir dieses Vertrauen bemerkenswert. Damals empfanden wir es einfach als selbstverständlich.
London war für mich zu diesem Zeitpunkt die größte Stadt, die ich jemals besucht hatte. Trotzdem dauerte es nicht lange, bis aus der anfänglichen Ehrfurcht echte Neugier wurde. Mit jedem Spaziergang wuchs das Vertrauen, sich in dieser fremden Umgebung zurechtzufinden. Genau diese Mischung aus Freiheit und Eigenverantwortung prägte die gesamte Reise.
Die Freiheit einer analogen Welt
Wir wohnten zu dritt bei einer alleinstehenden älteren Dame in Streatham. Neben mir waren noch zwei Mitschülerinnen aus unserem Leistungskurs dort untergebracht. Die beiden anderen Schülerinnen lebten während der Reise bei einer anderen Gastfamilie, und auch Benno Jost-Westendorf wohnte nicht bei uns, sondern bei Bekannten in London.
Unsere Gastmutter kümmerte sich liebevoll um uns. Gleich zu Beginn unseres Aufenthalts ging sie mit uns zu einem kleinen Kiosk an der Hauptstraße und kaufte gemeinsam mit uns die Bustickets für die kommenden Tage. Anschließend erklärte sie uns, wie wir Busse und Underground sinnvoll miteinander kombinieren konnten. Schon nach kurzer Zeit gehörte es ganz selbstverständlich dazu, Linienpläne zu lesen, Umsteigemöglichkeiten zu finden und den schnellsten Weg durch die Stadt selbst herauszusuchen.
Auch beim Bezahlen war vieles noch analog. Ich tauschte meine D-Mark erst in London in einer Wechselstube gegen britische Pfund und bezahlte den gesamten Aufenthalt über mit Bargeld. Einige meiner Mitschülerinnen hatten dagegen bereits eine Bankkarte oder sogar eine Kreditkarte dabei und holten sich ihr Geld einfach am Geldautomaten. Für mich war das damals noch ungewohnt – ich vertraute lieber auf die Scheine und Münzen in meiner Hosentasche.
Orientierung ohne Smartphone
Nach kurzer Zeit war es völlig normal, morgens mit Bus und Underground in Richtung Innenstadt aufzubrechen und sich den Weg selbst zusammenzusuchen. Welche Linie bringt uns wohin? Wo müssen wir umsteigen? Welche Station liegt am nächsten? Diese Fragen beantworteten wir mit Liniennetzen, etwas Neugier und vor allem mit einem kleinen, mehrfach gefalteten Plan der London Underground, der während der gesamten Reise zu meinem ständigen Begleiter wurde. Morgens verschwand er in der Jackentasche und unterwegs kam er immer wieder zum Vorschein, wenn ich eine Verbindung nachschlagen oder den nächsten Umstieg planen musste.
Jeder Tag begann mit einer einfachen Absprache. Wir vereinbarten am Vorabend einen Treffpunkt und eine Uhrzeit – und dort trafen wir uns wieder. Dazwischen gab es keinen Kontakt. Niemand schrieb eine Nachricht, niemand teilte seinen Standort, niemand fragte zwischendurch nach, wo die anderen gerade waren. So funktionierte Reisen damals ganz selbstverständlich.
Wie unkompliziert vieles damals funktionierte, zeigte sich gleich zu Beginn der Reise. Beim Einsteigen in die London Underground schlossen sich die Türen genau in dem Moment, als wir fünf Schüler:innen bereits im Wagen standen und Benno Jost-Westendorf noch auf dem Bahnsteig war. Für einen kurzen Augenblick schauten wir uns etwas ratlos an, doch eigentlich war die Situation schnell geklärt. Wir wussten, dass unser Ziel Earl's Court hieß. Also blieben wir einfach sitzen. Wenige Minuten später fuhr die nächste Bahn ein und unser Lehrer stieg völlig gelassen aus. Niemand geriet in Panik, niemand musste telefonieren oder Nachrichten verschicken. Es war einfach eine kleine Verzögerung – mehr nicht.
Vertrauen statt ständiger Erreichbarkeit
Besonders gerne war ich zu Fuß unterwegs. Natürlich besuchten wir gemeinsam die bekannten Sehenswürdigkeiten Londons. Mindestens ebenso spannend fand ich jedoch die Wohnviertel, Parks und Straßen abseits der touristischen Ziele. Ich lief durch Streatham, fuhr mit Bus und Tube quer durch die Stadt, stieg spontan an einer Haltestelle aus und schaute einfach, was es dort zu entdecken gab. Gerade diese ungeplanten Wege sind mir bis heute besonders lebendig in Erinnerung geblieben.
Rückblickend war diese Reise weit mehr als ein Besuch in London. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass die Welt viel größer war, als ich sie bis dahin erlebt hatte – und gleichzeitig, dass sie sich mit etwas Neugier, Offenheit und Mut erschließen ließ. Nicht, weil wir jederzeit miteinander kommunizieren konnten oder uns technische Hilfsmittel den Weg wiesen, sondern weil wir lernten, uns in einer fremden Umgebung zurechtzufinden und ihr unvoreingenommen zu begegnen. Diese Erfahrung hat mich weit über die eigentliche Reise hinaus geprägt.
Erst einige Tage nach unserer Ankunft rief ich von einer Telefonzelle zu Hause an. Für meine Mutter war das vermutlich der erste Moment, in dem sie sicher wusste, dass ich gut angekommen war. Dazwischen blieb ihr nichts anderes, als darauf zu vertrauen, dass alles seinen gewohnten Gang ging. Für mich fühlte sich das damals völlig normal an. So funktionierte die Welt eben.

Exkurs: Fast Forward – London 2025
London ist geblieben – ich auch
Mehr als drei Jahrzehnte nach meiner ersten Studienfahrt führte mich mein Weg erneut nach London. Inzwischen war ich viele Male in der britischen Hauptstadt gewesen. Rückblickend bin ich überzeugt, dass Benno Jost-Westendorf daran einen entscheidenden Anteil hatte. Sein Englischunterricht vermittelte weit mehr als Grammatik oder Literatur. Er weckte eine Begeisterung für die englische Sprache, die britische Kultur und ein Land, das mich seit meiner Jugend nicht mehr losgelassen hat. Ob zunächst allein, später mit meiner Frau oder gemeinsam mit unseren Kindern – London gehört bis heute zu den Städten, in die ich immer wieder gerne zurückkehre.
Im Jahr 2025 war die Reise dennoch etwas Besonderes. Zum ersten Mal begleitete uns meine Mutter nach Großbritannien. Für sie war es nicht nur der erste Besuch in London, sondern überhaupt die erste Reise auf die britischen Insel. Während ich dieselbe Stadt zum wiederholten Mal erlebte, stand sie vor einer ganz anderen Herausforderung als ich im Jahr 1991. Damals musste ich lernen, mich analog in einer fremden Millionenstadt zurechtzufinden. Nun musste sie sich in einer Welt orientieren, die in den vergangenen Jahrzehnten nahezu vollständig digital geworden war.
Reisen in einer digitalen Welt
Der Unterschied zeigte sich schon bei den alltäglichen Dingen. Wo ich 1991 noch einen gefalteten Plan der London Underground in der Jackentasche trug, navigierten wir heute selbstverständlich mit dem Smartphone. Die klassischen Papierfahrkarten waren Oyster Cards und kontaktlosen Zahlungen mit Bankkarte oder Smartphone gewichen. Restaurantreservierungen, Speisekarten, Eintrittskarten und Fahrpläne befanden sich längst nicht mehr in Prospekten, Auslagen oder Reiseführern, sondern auf dem Display eines Mobiltelefons. Selbst Bargeld spielte nur noch eine Nebenrolle. Bereits am Flughafen begann die Reise heute ganz anders: Der Online-Check-in erfolgte bequem von zu Hause, Bordkarten lagen digital auf dem Smartphone bereit und auch die Gepäckaufgabe war weitgehend automatisiert. Viele Abläufe, für die früher Schalter und Mitarbeitende erforderlich waren, erledigten wir inzwischen selbst.
Hampton Court – Geschichte trifft Digitalisierung
Besonders deutlich wurde dieser Wandel während unseres Besuchs im Hampton Court Palace. Für meine Mutter und mich endete der Ausflug nach der Besichtigung und wir fuhren zurück zum Hotel. Meine beiden Töchter wollten dagegen noch bleiben. Vor allem meine jüngere Tochter liebt Hampton Court. Bei jedem London-Besuch gehört ein Abstecher dorthin inzwischen ganz selbstverständlich zum festen Programm. Ich brauche weder einen Plan noch einen Reiseführer – sie kann uns zu nahezu jedem Raum erzählen, welche Persönlichkeiten dort lebten, welche Ereignisse sich dort abspielten und warum sie historisch bedeutsam sind.
Zur Halloween-Zeit verwandelte sich das Schlossgelände zusätzlich in eine große historische Entdeckungstour. Über das gesamte Anwesen verteilt begegneten den Besucher:innen diverse Schauspieler:innen in historischen Kostümen, die berühmte Persönlichkeiten und Geister der englischen Geschichte verkörperten. Diese Figuren mussten gefunden und den jeweiligen historischen Ereignissen zugeordnet werden – eine Aufgabe, für die sich meine Töchter sofort begeisterten.
Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte eine solche Situation vermutlich einiges an Organisation erfordert – 2025 war sie dagegen völlig selbstverständlich. Während meine Mutter und ich bereits auf dem Rückweg zum Hotel waren, konnten unsere Töchter weiterhin vor Ort mit dem Smartphone bezahlen, uns jederzeit erreichen und ihre Heimfahrt selbst organisieren. Ich wiederum konnte jederzeit ihren Standort empfangen. Als sie später in Wimbledon unsicher waren, ob sie im richtigen Zug saßen, genügte ein kurzer Anruf. Gemeinsam überprüften wir die Verbindung, besprachen die richtige Endstation und sie entschieden spontan, dass sie unterwegs noch Sushi im Asia-Markt am Queensway besorgen könnten. Wenig später trafen wir uns wieder im Hotel – ohne feste Treffpunkte, ohne vorher vereinbarte Uhrzeiten und ohne jede Unsicherheit.
Dieselbe Freiheit – andere Werkzeuge
Gerade in diesem Moment wurde mir bewusst, wie grundlegend sich das Reisen verändert hat. 1991 bestand unsere Freiheit darin, ohne ständige Erreichbarkeit auszukommen und Verantwortung für uns selbst zu übernehmen. 2025 entstand dieselbe Freiheit auf eine ganz andere Weise. Die digitale Vernetzung machte vieles einfacher, sicherer und spontaner. Orientierung, Kommunikation und Bezahlung waren längst zu selbstverständlichen Begleitern geworden.
Meine Mutter hat die Reise sehr genossen. Gleichzeitig wurde ihr – und auch mir – bewusst, wie selbstverständlich wir heute auf digitale Hilfsmittel zurückgreifen. Ohne Smartphone, digitale Fahrpläne, kontaktloses Bezahlen oder Navigation wäre ihr der Zugang zu dieser neuen Reisewelt deutlich schwerer gefallen. Mir wurde dabei bewusst, dass sich nicht nur die Technik verändert hatte, sondern auch unsere Erwartungen an den Alltag. Fähigkeiten, die früher als besondere Computerkenntnisse oder typische Eigenschaften eines Nerds galten, gehören heute für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Reisen dazu.
Die Technik hatte nicht ersetzt, was wir damals gelernt hatten – sie hatte neue Möglichkeiten geschaffen, sich dieselbe Welt auf eine andere Weise zu erschließen.
Mobiltelefone verändern den Alltag
Nach dem Abitur begann für mich ein neuer Lebensabschnitt. Die Zeit bei der Bundeswehr, anschließend mein Studium und parallel dazu meine regelmäßigen Aufenthalte auf Norderney führten dazu, dass ich immer häufiger unterwegs war. Kommunikation war plötzlich nicht mehr selbstverständlich. Wer nicht zu Hause war, war zunächst einmal nicht erreichbar. Gerade diese neue Mobilität ließ mich den Wert von Kommunikation anders wahrnehmen. Nirgendwo wurde mir das deutlicher als während meiner regelmäßigen Aufenthalte auf Norderney.
Die Nordseeinsel spielte schon lange eine besondere Rolle in meinem Leben. Mein Vater lebte seit Ende der 1970er Jahre dort. Als Kind besuchten wir ihn zunächst regelmäßig als Familie. Nach der Trennung meiner Eltern Anfang der 1980er Jahre änderte sich vieles. Umso mehr rechne ich es meiner Mutter bis heute hoch an, dass sie nie versucht hat, mir ein negatives Bild von meinem Vater zu vermitteln. Sie ließ mich meine eigenen Erfahrungen machen und unterstützte mich sogar dabei, als ich gegen Ende der 1980er Jahre den Kontakt wieder intensivierte. Von da an verbrachte ich regelmäßig längere Zeit bei ihm auf Norderney. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, uns nach vielen Jahren neu kennenzulernen und eine Beziehung aufzubauen, die weit über die Besuche meiner frühen Kindheit hinausging.
Wenn Telefonieren noch einen Ort hatte
Gerade diese Zeit machte mir bewusst, wie selbstverständlich wir heute Kommunikation empfinden. Wollte ich meine Mutter in Oer-Erkenschwick anrufen, führte mein Weg meist zu einer der Telefonzellen auf der Insel. Kleingeld gehörte genauso selbstverständlich dazu wie das Warten auf eine freie Leitung. Häufig überlegte ich mir schon vorher, was ich erzählen wollte, denn jede Minute kostete Geld.
Besonders praktisch waren die damals sogenannten rückrufbaren Telefonzellen. Diese verfügten über eine eigene Rufnummer, sodass man sich verabreden konnte, zu einer bestimmten Uhrzeit dort anzurufen. Wer den Anruf erwartete, wartete einfach in oder neben der Telefonzelle, bis das Telefon klingelte. Heute wirkt diese Vorstellung beinahe kurios – damals war sie für viele Menschen eine ganz normale Möglichkeit, auch unterwegs erreichbar zu sein.
An touristischen Orten wie Norderney gab es darüber hinaus regelrechte Telefonzellenparks mit mehreren Telefonzellen nebeneinander. Trotzdem bildeten sich insbesondere in den Ferien oder am Abend oft Warteschlangen. Urlauber:innen wollten ihre Familien zu Hause anrufen, Ankunftszeiten durchgeben oder einfach von ihren Erlebnissen berichten. Geduld gehörte ebenso zum Telefonieren wie genügend Münzgeld in der Tasche. War niemand zu Hause, blieb oft nur der nächste Versuch einige Stunden später.
Auch die Tarife bestimmten den Alltag. Viele Gespräche wurden bewusst in die Abendstunden oder auf das Wochenende verschoben, weil Ferngespräche dann deutlich günstiger waren. Der sogenannte Mondscheintarif war für viele Familien fester Bestandteil der Telefonkultur der 1980er und frühen 1990er Jahre. Gerade deshalb bildeten sich vor Telefonzellen häufig lange Warteschlangen. Wer Geld sparen wollte, telefonierte zu denselben Zeiten wie viele andere auch. Besonders in Ferienorten wie Norderney waren die Telefonzellen am Abend oft bis auf den letzten Platz belegt. Kommunikation war wertvoll – und entsprechend überlegt setzte man sie ein.
Mobilität braucht Kommunikation
Mit der Bundeswehr nahm meine Mobilität weiter zu. Schon früh fasste ich den Entschluss, die Offizierlaufbahn einzuschlagen. Damit war mir bewusst, dass mein zukünftiger Berufsalltag mich nicht nur an verschiedene Standorte innerhalb Deutschlands führen würde. Mit den ersten Auslandseinsätzen der Bundeswehr zeichnete sich bereits ab, dass Offiziere zunehmend auch international eingesetzt werden konnten. Kommunikation bekam für mich dadurch eine ganz neue Bedeutung. Wer viel unterwegs ist, möchte erreichbar bleiben – und andere erreichen können.
Aus diesem Grund begann ich mich früh mit dem damals noch jungen Mobilfunk zu beschäftigen. Ich erkannte schnell, welche Freiheit diese neue Technologie versprach. Schließlich kaufte ich mir ein Motorola MicroTAC 5200, das bis heute als Dekoration auf meinem Schreibtisch steht und mich täglich an diese Zeit erinnert.
Von diesem Moment an war ich erstmals unabhängig von Telefonzellen und Festnetzanschlüssen. Egal, wo ich mich gerade befand – ich konnte andere erreichen und war selbst erreichbar. Das war Anfang der 1990er Jahre alles andere als selbstverständlich.
Diese neue Freiheit hatte allerdings ihren Preis. Minutenpreise von 50 Pfennig und mehr waren keine Seltenheit. Auch Anrufer:innen musste man häufig vorwarnen, denn Gespräche mit Mobilfunkanschlüssen wurden deutlich höher berechnet als Anrufe ins Festnetz. Viele überlegten deshalb zweimal, ob ein Anruf wirklich notwendig war.
Aus diesem Grund trug ich zusätzlich eine Swatch Scall. Die Uhr verfügte über einen integrierten Funkrufempfänger und zeigte mir die Rufnummer des Anrufenden an. So konnte ich selbst entscheiden, wann und auf welchem Weg ich zurückrief. Häufig bot es sich an, bis zum nächsten Festnetzanschluss zu warten, anstatt sofort mit dem Mobiltelefon zu telefonieren und die hohen Gesprächskosten in Kauf zu nehmen. Die Swatch Scall war damit für mich weniger eine technische Spielerei als vielmehr eine praktische und kostengünstige Ergänzung zum Mobiltelefon.
Ein Exot auf dem Campus
Aus verschiedenen Gründen, insbesondere aufgrund eines einschneidenden privaten Ereignisses, habe ich diesen beruflichen Weg schließlich nicht weiterverfolgt. Stattdessen begann ich 1996 mein Studium an der damaligen Universität Dortmund. Mein Mobiltelefon blieb dabei mein ständiger Begleiter und erwies sich auch im Studienalltag schnell als äußerst praktisch. Zwischen Vorlesungen, Lerngruppen, Nebenjobs und privaten Verabredungen bot es eine Flexibilität, die ich nach wie vor nicht missen wollte.
Gleichzeitig fiel ich damit auf. Während Mobiltelefone im beruflichen Umfeld langsam Verbreitung fanden, waren sie unter Studierenden noch eine echte Seltenheit. Selbst viele Mitarbeiter:innen der Universität besaßen damals noch kein eigenes Mobiltelefon. Entsprechend neugierig oder auch irritiert waren die Reaktionen, wenn während einer Vorlesung oder auf dem Campus plötzlich ein Mobiltelefon zu sehen oder zu hören war. Ich war einer der wenigen, die bereits ein Mobiltelefon nutzten, obwohl viele in meinem Umfeld dafür noch keinen praktischen Nutzen sahen. Für viele war ein Mobiltelefon damals schlicht überflüssig.
Nicht das Telefon wurde mobil
Für die meisten Menschen blieb das Telefon zunächst an einen festen Ort gebunden. Wer jemanden erreichen wollte, musste wissen, wo sich diese Person gerade aufhielt. Selbst als Mobiltelefone langsam ihren Weg in die Gesellschaft fanden, blieb die Festnetznummer für viele noch über Jahre die wichtigste Kontaktmöglichkeit.
Wenn ich heute das Motorola MicroTAC auf meinem Schreibtisch betrachte, wird mir bewusst, wie ungewöhnlich ein Mobiltelefon Anfang der 1990er Jahre noch war. Vielen galt es als überflüssiger Luxus oder als Spielzeug für Geschäftsleute und Technikbegeisterte. Auch ich wurde nicht selten belächelt und als typischer Technik-Nerd abgestempelt. Rückblickend war ich damit jedoch weniger eine Ausnahme als vielmehr einer der frühen Anwender einer Entwicklung, die wenig später den Alltag nahezu aller Menschen verändern sollte.
Heute trägt nahezu jede und jeder einen Computer in der Hosentasche, dessen Leistungsfähigkeit das Motorola MicroTAC um ein Vielfaches übertrifft. Das kleine Gerät erinnert mich daran, wie tiefgreifend sich unser Verständnis von Kommunikation seitdem verändert hat.
Die eigentliche Revolution lag nämlich nicht im Telefon selbst. Mobiltelefone machten das Telefon nicht einfach kabellos. Sie veränderten die Art, wie wir unseren Alltag organisierten. Treffpunkte mussten nicht mehr Tage im Voraus vereinbart werden, Verspätungen ließen sich spontan ankündigen und Entscheidungen konnten unterwegs getroffen werden. Kommunikation löste sich erstmals von einem festen Ort.
Nicht das Telefon wurde mobil. Die Menschen wurden mobil.
Als das Internet ins Wohnzimmer einzog
Mit meinem ersten eigenen PC erfüllte ich mir einen lang gehegten Wunsch. Bestellt hatte ich den Rechner bereits im Frühjahr 1995. Geliefert wurde er erst im Herbst – pünktlich zur Einführung von Windows 95. Rückblickend hätte der Zeitpunkt kaum besser gewählt sein können. Mit dem neuen Betriebssystem hielt nicht nur eine deutlich modernere Benutzeroberfläche Einzug, sondern auch die Grundlage für eine zunehmend vernetzte Computerwelt.
Mit seinem Intel-Pentium-Prozessor mit 90 MHz, 4 MB Arbeitsspeicher und einer 850-MB-Festplatte gehörte der Rechner damals zu den leistungsfähigsten Computern in meinem Bekanntenkreis. Für mich war das ein Stück High-End-Technik, auf das ich durchaus ein wenig stolz war. Erst aus heutiger Perspektive wird deutlich, wie rasant sich die Technik entwickelt hat: Selbst meine Apple Watch verfügt inzwischen über ein Vielfaches dieser Rechenleistung und Speicherkapazität.
Bis dahin hatte ich Computer vor allem zum Programmieren, Spielen oder für die Textverarbeitung genutzt. Doch nun begann sich eine neue Entwicklung abzuzeichnen: Computer konnten miteinander kommunizieren. Plötzlich wurde es möglich, Informationen aus aller Welt abzurufen und mit Menschen über große Entfernungen hinweg in Kontakt zu treten.
Diese Vorstellung faszinierte mich vom ersten Moment an. Während ich mich wenige Jahre zuvor darüber gefreut hatte, mit einem Mobiltelefon unabhängig von Telefonzellen zu sein, sollte nun auch der Computer seine räumlichen Grenzen verlieren. Er stand nicht länger allein auf dem Schreibtisch, sondern wurde zu einem Fenster in eine immer stärker vernetzte Welt.
Dafür benötigte man allerdings weit mehr als nur einen Computer. Die Verbindung zum Internet erfolgte über ein externes Elsa-Modem mit 28.800 Bit pro Sekunde, das über die serielle Schnittstelle an den PC und zugleich an die Telefonleitung angeschlossen wurde. Bevor überhaupt die erste Webseite erschien, musste sich das Modem zunächst beim Anbieter einwählen. Das charakteristische Pfeifen, Rauschen und Knacken gehört für viele meiner Generation bis heute zu den prägenden Klängen der frühen Internetzeit. Jeder Verbindungsaufbau war ein kleines Ritual – und gleichzeitig das Versprechen auf eine Welt, deren Möglichkeiten wir damals erst zu erahnen begannen.
Das Internet bleibt zunächst ein Traum
Mein neuer PC stand inzwischen bereit, und auch die Anschaffung eines Modems hatte ich bereits ins Auge gefasst. Doch damit allein war der Weg ins Internet noch längst nicht geschafft. In den folgenden Monaten begann ich zunächst herauszufinden, wie man sich überhaupt mit diesem weltweiten Netzwerk verband. Anders als heute genügte es nicht, einen Browser zu öffnen oder sich mit einem WLAN zu verbinden. Zunächst musste man einen Anbieter finden, der überhaupt einen Zugang zum Internet bereitstellte.
Während meines Studiums an der Universität Dortmund führte mich meine Suche schließlich zu EUnet. Der Anbieter war aus dem Umfeld der Informatik-Rechner-Betriebsgruppe (IRB) der Fakultät für Informatik hervorgegangen und gehörte zu den ersten kommerziellen Internetprovidern in Deutschland. Technisch bot EUnet genau das, was ich suchte: einen vollwertigen Internetzugang, wie ihn damals vor allem Universitäten, Unternehmen und technisch interessierte Anwender:innen nutzten. Als ich mich jedoch näher mit den Kosten beschäftigte, wurde schnell klar, dass diese Lösung mein Budget als Student deutlich überstieg.
Das war eine Erfahrung, die heute kaum noch nachvollziehbar ist. Nicht der Computer oder das Modem waren das eigentliche Hindernis, sondern der Zugang zum Netz. Neben der Grundgebühr des Internetanbieters fielen während jeder Verbindung Telefonkosten an. Je nach Tarif kamen weitere Gebühren für die eigentliche Internetnutzung hinzu. Jede Minute kostete Geld. Man überlegte sich deshalb genau, ob eine Online-Sitzung wirklich notwendig war und was man in dieser Zeit erledigen wollte.
Für mich blieb das Internet zunächst vor allem eine faszinierende Vision. Ich war überzeugt, dass diese neue Form der Kommunikation und Informationsbeschaffung enormes Potenzial besaß. Gleichzeitig musste ich akzeptieren, dass sie für einen Studenten wie mich zunächst finanziell außer Reichweite lag.
AOL macht das Internet alltagstauglich
Erst mit Anbietern wie AOL, CompuServe oder T-Online änderte sich die Situation grundlegend. Erstmals entstanden Angebote, die sich bewusst an Privatpersonen richteten und den Einstieg so einfach wie möglich machen sollten. Auch die Preise wurden deutlich attraktiver als bei den frühen Internetprovidern.
Für mich bedeutete das den entscheidenden Durchbruch. Während ich mich nach einem geeigneten Internetanbieter umsah, entschied ich mich zugleich für die Anschaffung des besagten Elsa-Modems mit 28,8 kbit/s. Nach einiger Recherche fiel meine Wahl schließlich auf AOL, das damals gerade begann, den deutschen Markt zu erschließen. Rückblickend dürfte ich damit zu den ersten Kund:innen in Deutschland gehört haben. Die Einwahlsoftware wurde mir noch auf dem Postweg direkt aus Großbritannien zugeschickt – schon das fühlte sich wie der Beginn eines kleinen Abenteuers an.
Von da an konnte ich das Internet regelmäßig von zu Hause aus nutzen, ohne dass jede Online-Sitzung sofort zur Grundsatzentscheidung wurde. Der Weg ins Netz begann allerdings jedes Mal mit einem kleinen Ritual. Nach einem Doppelklick auf die AOL-Software meldete sich das Modem mit seinem unverwechselbaren Pfeifen, Rauschen und Knacken, während es sich mit der Gegenstelle auf eine gemeinsame Übertragungsgeschwindigkeit verständigte. Erst wenn diese Unterhaltung erfolgreich abgeschlossen war, öffnete sich das Tor zum Internet.
Wer diese Geräusche heute hört, erkennt darin vermutlich nur ein undefinierbares Pfeifen. Für viele meiner Generation waren sie dagegen das akustische Signal, dass sich gleich ein Fenster zu einer völlig neuen Welt öffnen würde.
Viele Jahre später nutzte ich längst andere Internetprovider, hatte meine AOL-E-Mail-Adresse jedoch behalten. Als ich den Vertrag schließlich telefonisch kündigen wollte, schaute der Mitarbeiter kurz auf meine Kundendaten, hielt einen Moment inne und fragte mich, ob ich den Vertrag wirklich beenden wolle. Anschließend verriet er mir, dass ich eine der ersten Kundennummern besaß, die AOL überhaupt in Deutschland vergeben hatte.
„Leg mal auf, ich muss ins Internet!“
Mit jeder Internetverbindung war gleichzeitig die Telefonleitung belegt. Solange das Modem mit dem Internet verbunden war, konnte niemand telefonieren. Wollte jemand aus der Familie einen Anruf tätigen oder erwartete Besuch per Telefon, musste die Verbindung zunächst getrennt werden. Umgekehrt erhielten Anrufer:innen während einer laufenden Internetverbindung lediglich ein Besetztzeichen.
So gehörte der Satz „Leg mal auf, ich muss telefonieren!“ schon bald zum Alltag in vielen Familien – bei uns allerdings ebenso häufig in der umgekehrten Variante: „Leg mal auf, ich muss ins Internet!“ Da meine Mutter gerne und ausgiebig mit ihren Freundinnen telefonierte, entwickelte sich schnell eine Art stiller Zeitplan. Meine Online-Zeit begann meist erst dann, wenn sie bereits schlafen gegangen war und die Telefonleitung endlich frei war. Heute wirkt das beinahe kurios. Damals war es jedoch völlig normal, dass sich Telefon und Internet dieselbe Leitung teilen mussten.
Hinzu kamen die laufenden Kosten. Jede Minute im Internet verursachte Telefongebühren. Deshalb blieb man nur so lange online, wie es wirklich notwendig war. Webseiten wurden gezielt aufgerufen und Downloads oft erst dann gestartet, wenn günstigere Tarife galten. Auch E-Mails wurden ganz anders genutzt als heute. Häufig stellte man zunächst die Verbindung her, lud neue Nachrichten herunter und trennte die Internetverbindung anschließend wieder. Erst dann wurden die E-Mails in Ruhe gelesen, Antworten formuliert und für den Versand vorbereitet. War alles erledigt, stellte man erneut eine Verbindung her, verschickte die Nachrichten und beendete die Online-Sitzung wieder. Wer längere Zeit online blieb, hatte die Uhr meist im Blick.
Gerade deshalb war der Einstieg ins Internet ein bewusstes Ereignis. Man schaltete den Computer ein, startete das Modem, wählte sich ein und hatte meist ein konkretes Ziel vor Augen. Einfach aus Langeweile durch das Internet zu stöbern, wie wir es heute selbstverständlich tun, war damals eher die Ausnahme.
Mein erster Job in der IT
Mit Beginn meines Studiums änderte sich meine Sicht auf das Internet noch einmal grundlegend. Bereits kurze Zeit später begann ich als studentische Hilfskraft am Fachbereich zu arbeiten und erhielt einen eigenen Schlüssel für die Arbeitsräume. Dadurch konnte ich auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten an der Universität arbeiten und hatte Zugang zu einer technischen Infrastruktur, die damals alles andere als selbstverständlich war.
Zu meinen ersten Aufgaben gehörte die Betreuung des Interaktiven Studierenden InformationsSystems (ISIS) unseres Fachbereichs. Über diese Anwendung konnten Dozent:innen ihre Lehrveranstaltungen für das kommende Semester eintragen oder eintragen lassen. Studierende nutzten die Daten anschließend, um ihr persönliches Vorlesungsprogramm zusammenzustellen und ihren Stundenplan zu planen. Auch die seinerzeit umfangreichen gedruckten Vorlesungsverzeichnisse der Universität wurden auf Grundlage dieser Daten erzeugt und anschließend für den Druck aufbereitet.
Technisch war das System für die damalige Zeit bemerkenswert. Es basierte auf einer Microsoft Access 2.0-Datenbank, war über ein Novell-Netzwerk miteinander verbunden und besaß ein umfassendes grafisches Front End. Für mich war es die erste Gelegenheit, nicht nur Computer zu nutzen, sondern Verantwortung für ein produktiv eingesetztes Informationssystem zu übernehmen, das den Studienalltag vieler Menschen unterstützte.
Mein Vorgänger in dieser Tätigkeit war Kay Pingler. Er hatte ISIS gemeinsam mit einem externen Dienstleister aufgebaut und entschied sich später, seine Arbeit am System aufzugeben, um sich ganz auf sein Studium und parallel auf die damals noch neue Microsoft-Zertifizierung zum MCSE unter Windows NT 4.0 zu konzentrieren. Er war es auch, der mich erstmals auf Microsoft-Technologien und den MCSE aufmerksam machte. Damals ahnte wohl keiner von uns beiden, welche Folgen diese Unterhaltung einmal haben würde. Kay wurde nach seinem erfolgreichen Studienabschluss Pilot, während ich den Weg in die Microsoft-Welt einschlug, der mich bis heute begleitet.
Internet ohne Zeitdruck
Ein netter Nebeneffekt meiner Arbeit war die technische Infrastruktur des Fachbereichs. Die Arbeitsplätze waren über ein 10-MBit-Ethernet miteinander verbunden und verfügten über einen dauerhaften Internetzugang. Während ich mich zu Hause noch per Modem einwählen musste und jede Online-Minute Geld kostete, war das Internet an der Universität einfach vorhanden.
Zum ersten Mal erlebte ich, wie selbstverständlich sich Arbeiten mit einer permanenten Netzverbindung anfühlte. E-Mails konnten jederzeit verschickt, Informationen ohne Zeitdruck recherchiert und Dateien innerhalb weniger Sekunden übertragen werden. Ich musste nicht mehr überlegen, ob sich eine Internetverbindung gerade lohnte – sie war einfach da.
Davon profitierte ich auch privat. In meinem Rucksack befanden sich fast immer einige Disketten, auf denen ich aktuelle Versionen des Internet Explorers, Windows-Updates oder andere Programme mit nach Hause nahm. Was heute automatisch im Hintergrund geschieht, war damals ein ganz normaler Weg, die schnelle Hochschulanbindung zu nutzen.
Mit den Jahren wuchs auch mein Aufgabenbereich. Ich durfte die Modernisierung des Netzwerks unseres Fachbereichs mitplanen. Das vorhandene 10Base-2-Ethernet mit koaxialer Busverkabelung wurde durch ein 100Base-T-Ethernet mit strukturierter Twisted-Pair-Verkabelung ersetzt. Dabei gewann ich meine ersten tiefen Einblicke in Ethernet, TCP/IP und den Aufbau moderner Netzwerke.
Rückblickend war das weit mehr als ein technisches Projekt. Dort entstand mein Interesse an Netzwerken – ein Thema, das mich später über Microsoft und Cisco bis zu meiner Tätigkeit als IT-Trainer begleiten sollte. Damals war es einfach eine spannende Aufgabe. Heute weiß ich, dass dort ein wichtiger Grundstein für meinen weiteren Berufsweg gelegt wurde.
Vom Einwählen zur Selbstverständlichkeit
Als ich später in eine Dortmunder Wohnung zog, gehörte ein ISDN-Anschluss für mich fast selbstverständlich dazu. Nach den Jahren mit dem analogen Modem zu Hause war das ein spürbarer Fortschritt. Zum ersten Mal konnten Telefon und Internet gleichzeitig genutzt werden. Die Frage, ob gerade telefoniert oder im Internet gesurft wurde, stellte sich plötzlich nicht mehr.
Für den Internetzugang entschied ich mich für einen ISDN-Router von 3Com. Er übernahm die Einwahl automatisch und machte den Internetzugang deutlich komfortabler als noch zu Modemzeiten. Die Verbindung wurde schneller aufgebaut, und bei Bedarf konnten beide ISDN-Kanäle gebündelt werden, um die damals beeindruckende Geschwindigkeit von 128 kBit/s zu erreichen.
Rückblickend erscheint das heute bescheiden. Damals fühlte es sich jedoch an, als hätte das Internet einen großen Schritt in Richtung Alltag gemacht. Es war noch immer kein dauerhafter Begleiter, aber der Weg dorthin wurde deutlich kürzer und komfortabler.
Always On
Den eigentlichen Wendepunkt erlebte ich jedoch mit DSL. Ich hatte das Glück, bereits als Betatester zu den ersten Nutzer:innen dieser neuen Technik zu gehören. Nach Jahren mit Modem und ISDN fühlte sich der Unterschied beinahe revolutionär an. Meine erste DSL-Leitung bot eine Bandbreite von 768 kbit/s im Download und 128 kbit/s im Upload – Werte, die heute kaum noch jemanden beeindrucken würden. Für viele Menschen reichen sie inzwischen nicht einmal mehr für einen entspannten Filmabend mit einem Streamingdienst. Damals bedeuteten sie jedoch einen gewaltigen Fortschritt. Vor allem aber war das Internet plötzlich einfach da. Es musste keine Verbindung mehr aufgebaut werden. Der Computer war dauerhaft online.
Dieses Always On veränderte meinen Umgang mit Informationen grundlegend. Webseiten öffneten sich nahezu ohne Wartezeit, größere Downloads liefen nebenbei und Software musste ich nicht mehr auf Disketten von der Universität mit nach Hause bringen. Das Internet war nicht länger etwas, das ich bewusst für eine bestimmte Aufgabe aufsuchte. Es wurde zu einem ständigen Begleiter meines Alltags.
Damit änderte sich weit mehr als nur die Technik. Informationen waren erstmals jederzeit verfügbar. Suchmaschinen ersetzten immer häufiger den Griff zu Fachbüchern und Lexika, Hersteller veröffentlichten Aktualisierungen direkt über das Internet und E-Mails wurden vom gelegentlichen Nachrichtenaustausch zu einem selbstverständlichen Kommunikationsmittel.
Nicht die höhere Bandbreite war der eigentliche Fortschritt. Entscheidend war, dass Informationen dauerhaft erreichbar wurden. Das Internet verwandelte sich von einem Ort, den man bewusst besuchte, zu einer Infrastruktur, die einfach immer vorhanden war. Wissen war erstmals jederzeit nur einen Mausklick entfernt.

Exkurs: Generation Google
Die Suche nach Informationen
Als das Internet Ende der 1990er Jahre langsam zum Alltag wurde, stellte sich eine ganz praktische Frage: Wie findet man darin eigentlich etwas?
Schon damals existierten zahlreiche Suchmaschinen. Yahoo, AltaVista, Lycos, HotBot, Fireball oder Ask Jeeves gehörten für viele Internetnutzer:innen ganz selbstverständlich dazu. Jede verfolgte ihren eigenen Ansatz, doch die Suche war häufig mühsam. Manche Suchmaschinen arbeiteten mit redaktionell gepflegten Verzeichnissen, andere lieferten lange Trefferlisten, deren Qualität stark schwankte. Wer eine Information finden wollte, musste oft mehrere Suchmaschinen ausprobieren.
Ein neuer Ansatz
Obwohl ich Pädagogik, Psychologie und Soziologie studierte, zog es mich immer wieder an den Campus Süd zur Informatik. Durch meine Tätigkeit am Fachbereich hatte ich engen Kontakt zum Hochschulrechenzentrum und zu Mitarbeiter:innen der Informatik. Wenn mich ein Seminar interessierte, setzte ich mich in meiner Freizeit häufig einfach dazu. Die Dozent:innen hatten damit in der Regel kein Problem.
Eines Tages sprach eine Gastdozentin über ein neues Projekt aus den USA, das gerade begann, Aufmerksamkeit zu erregen: Google. Sie erklärte uns, dass diese Suchmaschine einen völlig anderen Ansatz verfolge als viele ihrer Wettbewerber. Nicht die Anzahl der Fundstellen oder redaktionell gepflegte Verzeichnisse sollten künftig entscheidend sein, sondern die Verlinkungen zwischen Webseiten als Hinweis auf deren Bedeutung.
Damals ahnte wohl kaum jemand im Raum, welche Auswirkungen diese Idee haben würde. Innerhalb weniger Jahre wurde googeln zum Synonym für das Suchen im Internet. Informationen waren plötzlich nicht mehr verborgen, sondern innerhalb weniger Sekunden auffindbar. Gleichzeitig löste diese Entwicklung an den Hochschulen kontroverse Diskussionen aus. Manche Dozent:innen bestanden weiterhin darauf, dass wissenschaftliches Arbeiten ausschließlich über Bibliotheken, Karteikästen und gedruckte Quellen erfolgen müsse. Internetrecherchen galten häufig als oberflächlich oder wissenschaftlich nicht belastbar.
Vom Microfiche zu Google
Heute wirkt diese Debatte beinahe befremdlich. Während meines Studiums setzte die Universitätsbibliothek Dortmund noch in weiten Teilen auf Microfiche. Wer ältere Fachliteratur oder Zeitschriftenaufsätze recherchieren wollte, verbrachte nicht selten viel Zeit an speziellen Lesegeräten, kurbelte sich durch winzige fotografierte Seiten und hoffte, am Ende tatsächlich die gesuchte Information zu finden. Das war zweifellos eine wichtige wissenschaftliche Arbeitsweise – ein Vergnügen war sie allerdings nur selten.
Niemand würde heute ernsthaft verlangen, für jede Fragestellung zunächst den Bibliothekskatalog oder einen Microfiche-Leser zu bemühen, wenn hochwertige wissenschaftliche Literatur längst digital recherchierbar ist. Selbst meine Mutter und meine Tanten, inzwischen in ihren siebziger und achtziger Lebensjahren, nutzen Suchmaschinen ganz selbstverständlich, um Informationen im Internet zu finden.
Von Google zu KI
Interessanterweise beobachte ich heute eine sehr ähnliche Entwicklung beim Einsatz künstlicher Intelligenz. Wieder begegnen einer neuen Technologie Skepsis und der Vorwurf, man müsse sich Wissen schließlich noch richtig erarbeiten. Dabei waren es nicht selten genau jene Generationen, die Ende der 1990er Jahre selbst dafür kritisiert wurden, lieber Google als den Zettelkatalog der Bibliothek zu nutzen.
Die Werkzeuge ändern sich. Der Wunsch des Menschen, Wissen zu finden und zu verstehen, bleibt derselbe.
O tempora, o mores!
Die Welt wird kleiner
Als ich 1991 zum ersten Mal nach London reiste, bedeutete eine Fahrt ins Ausland immer auch, für einige Zeit von zu Hause abgeschnitten zu sein. Natürlich konnte man telefonieren, doch internationale Gespräche waren teuer und wurden deshalb meist auf das Nötigste beschränkt. Wer sich melden wollte, schrieb Postkarten oder suchte eine Telefonzelle. Das gehörte damals einfach zum Reisen dazu.
Rund zehn Jahre später setzte sich diese Geschichte auf eine völlig andere Weise fort. Aus der einmaligen Klassenfahrt nach London waren inzwischen zahlreiche Reisen geworden. Im Jahr 2002 führte mich eine Reise erstmals in die Vereinigten Staaten – nach Florida. Die Welt war in dieser Zeit nicht kleiner geworden, doch sie begann sich anders anzufühlen. Mobiltelefone funktionierten inzwischen auch über Landesgrenzen hinweg, und ich konnte Erfahrungen sammeln, die wenige Jahre zuvor noch kaum vorstellbar gewesen wären.
Die räumliche Trennung von Familie und Freunden verlor langsam an Bedeutung. Die Welt war nicht kleiner geworden – aber sie fühlte sich kleiner an.
Das erste Gespräch über den Atlantik
Nach meinem Motorola MicroTAC begann für mich die Nokia-Ära. Den Anfang machte das Nokia 6110. In den folgenden Jahren erneuerte ich mein Mobiltelefon ungefähr im Zwei-Jahres-Rhythmus. Für Reisen innerhalb Europas spielte das kaum eine Rolle. Bei Fernreisen sah die Situation jedoch anders aus. Mobiltelefone funktionierten damals längst nicht selbstverständlich weltweit. Die in Europa verwendeten GSM-Frequenzen unterschieden sich von denen in den Vereinigten Staaten, sodass mein Nokia 6110 dort nicht genutzt werden konnte.
Erst mit dem Nokia 6310i änderte sich das. Das Telefon unterstützte auch die in den USA genutzten Mobilfunknetze und machte internationales Roaming möglich. Für meine USA-Reise war das eine kleine Revolution. Als sich das Handy nach der Landung tatsächlich in ein amerikanisches Mobilfunknetz einbuchte, rief ich sofort meine Familie in Deutschland an.
Heute erscheint ein solches Gespräch selbstverständlich. Damals fühlte es sich beinahe wie ein kleines Wunder an. Ich stand mehrere tausend Kilometer von zu Hause entfernt und konnte dennoch telefonieren, als wäre ich nur ein paar Straßen weiter.
Noch mehr als die Technik beeindruckte mich jedoch die Qualität der Verbindung. Internationale Telefongespräche waren früher oft von Rauschen und Verzögerungen geprägt und beschränkten sich meist auf wenige Sätze: „Hallo, wir sind gut angekommen. Wie geht es euch? Alles in Ordnung? Dann bis bald.“
Das Gespräch aus Florida klang dagegen so klar, als würde ich aus Dortmund anrufen. Wir konnten uns Zeit lassen, plaudern und ganz selbstverständlich miteinander sprechen. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass Mobiltelefone nicht nur Mobilität bedeuteten. Sie begannen, Entfernungen zu überwinden.
New York – Eine Stadt im Ausnahmezustand
Nach unserer mehrwöchigen Florida-Reise kehrten wir über die Weihnachtsfeiertage zunächst nach Hause zurück. Nur wenige Tage später ging es erneut in die Vereinigten Staaten – diesmal nach New York über den Jahreswechsel. Schon während unserer Reise nach Florida war uns aufgefallen, dass sich das Reisen verändert hatte. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 lagen erst etwas über ein Jahr zurück, und die Sicherheitsvorkehrungen waren überall spürbar.
Bereits am Frankfurter Flughafen begannen die zusätzlichen Kontrollen. An den Gates überprüften amerikanische Sicherheitskräfte die Passagier:innen noch vor dem Boarding. Zutritt zum Abflugbereich hatten ausschließlich Reisende mit einer gültigen Bordkarte. Auch nach der Ankunft in Florida begegneten uns die verschärften Sicherheitsmaßnahmen immer wieder – bei der Einreise ebenso wie beim Besuch des Kennedy Space Centers oder anderer touristischer Einrichtungen.
Ground Zero
Wie tief sich die Ereignisse des 11. September in das Leben der Amerikaner:innen eingebrannt hatten, begriff ich allerdings erst wenige Tage später in New York. Die Anschläge hatten wir gut ein Jahr zuvor in Deutschland nahezu in Echtzeit im Fernsehen verfolgt. Wochenlang bestimmten sie die Nachrichten und die Gespräche im Alltag. Ihre eigentliche Dimension erschloss sich mir jedoch erst am Ground Zero.
Die Aufräumarbeiten waren noch nicht vollständig abgeschlossen. Dort, wo wenige Monate zuvor die beiden Türme des World Trade Centers gestanden hatten, befand sich eine riesige Baustelle. Rund um das Gelände hatten Angehörige und Helfer:innen provisorische Gedenkstätten errichtet. Zwischen Kerzen, Blumen und Fotografien fanden sich handgeschriebene Botschaften, Suchanzeigen und persönliche Erinnerungen an Menschen, die an diesem Ort ihr Leben verloren hatten. Manche Berichte erzählten von den letzten Telefonaten aus den oberen Stockwerken der Türme, nachdem die interne Kommunikation längst zusammengebrochen war. Andere erinnerten daran, wie Mobiltelefone den Menschen ermöglicht hatten, ihre Angehörigen zu erreichen, Abschied zu nehmen oder Gewissheit über ihr Schicksal zu erhalten. Auch die Geschichte der Passagiere von United-Airlines-Flug 93, die durch Telefongespräche von den weiteren Anschlägen erfuhren und sich zum Widerstand entschlossen, war damals allgegenwärtig.
Kommunikation in der Krise
In diesem Moment verloren die abstrakten Zahlen aus den Nachrichtensendungen ihre Anonymität. Aus Tausenden Opfern wurden Menschen mit Namen, Gesichtern, Familien und persönlichen Geschichten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass moderne Kommunikation in Krisensituationen eine neue Rolle übernommen hatte. Informationen entstanden nicht mehr ausschließlich in Behörden, Redaktionen oder Pressekonferenzen. Sie kamen unmittelbar von Betroffenen und Augenzeug:innen. Für viele Menschen wurden Telefonate und Mobilfunknachrichten an diesem Tag zur letzten Verbindung mit ihren Angehörigen.
Diese Entwicklung prägt bis heute unsere Wahrnehmung von Krisen und Katastrophen. Informationen erreichen uns heute oft unmittelbar aus den betroffenen Regionen – aus zahlreichen persönlichen Perspektiven und nicht mehr ausschließlich über wenige offizielle Quellen. Das eröffnet neue Einblicke, verlangt aber zugleich einen bewussten und kritischen Umgang mit den Informationen.
Die Fernsehbilder des Vorjahres wurden an diesem Ort zu einer greifbaren Realität.
Als der Koffer in Frankfurt blieb
In diesem Zusammenhang kamen uns unsere eigenen Probleme plötzlich erstaunlich klein vor. Dennoch kehrte auch für uns nach den bewegenden ersten Eindrücken in New York langsam wieder der Reisealltag zurück – und der hielt schon zu Beginn der Reise eine unerwartete Überraschung bereit.
Nur wenige Tage zuvor hatten wir noch die angenehmen Temperaturen in Florida genossen. Nach den Weihnachtsfeiertagen ging es erneut in die USA – diesmal mitten in den New Yorker Winter. Entsprechend befand sich unsere warme Kleidung im aufgegebenen Gepäck. Nach der Landung dann die ernüchternde Nachricht: Unser Koffer hatte den Anschlussflug in Frankfurt verpasst und war zunächst nicht in New York angekommen. Während draußen winterliche Temperaturen herrschten, standen wir mit dem Nötigsten aus dem Handgepäck da und wurden von der Lufthansa mit Notfall-Packs ausgestattet.
Zunächst standen wir ratlos am Gepäckband, bis plötzlich ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft durch die Ankunftshalle lief und laut meinen Namen rief. Unser Koffer hatte den Anschlussflug in Frankfurt verpasst. Für die erste Nacht erhielten wir einen Kulturbeutel mit den wichtigsten Hygieneartikeln sowie einen Gutschein, um uns mit dem Nötigsten zu versorgen. Anschließend blieb uns nichts anderes übrig, als auf die nächste Maschine aus Frankfurt zu warten.
Heute würde man in einer solchen Situation vermutlich sofort zum Smartphone greifen, den Gepäckstatus in einer App verfolgen oder automatisch über den aktuellen Standort des Koffers informiert werden. Anfang der 2000er Jahre war das noch Zukunftsmusik. Man sprach mit dem Schalterpersonal, erhielt eine Vorgangsnummer und hoffte darauf, dass das Gepäck mit einer der nächsten Maschinen eintreffen würde. Erst spät in der Nacht informierte uns das Hotelpersonal, dass unser Koffer inzwischen angekommen war und in der Lobby auf uns wartete.
Das Internet hebt ab
Nur zwei Jahre später erlebte ich auf einer Reise nach Kalifornien bereits die nächste technische Neuerung. Lufthansa bot auf ausgewählten Langstreckenflügen erstmals Connexion by Boeing an – einen Internetzugang während des Fluges. Was wenige Jahre zuvor noch wie Science-Fiction geklungen hätte, wurde plötzlich Realität.
Ich hatte meinen Laptop dabei und wollte diese neue Technik unbedingt selbst ausprobieren. Statt bis zur Landung zu warten, konnte ich bereits in rund 10.000 Metern Höhe E-Mails abrufen, im Internet surfen und aktuelle Nachrichten lesen. Natürlich war die Verbindung mit 768 kbit/s zu Hause nicht zu vergleichen, und der Zugang kostete einen spürbaren Aufpreis. Dennoch funktionierte das System erstaunlich gut.
Rückblickend markierte dieser Dienst einen weiteren Meilenstein. Zunächst hatte das Internet den heimischen Schreibtisch mit der Welt verbunden. Anschließend machte DSL den ständigen Verbindungsaufbau überflüssig. Nun verschwand selbst die letzte große Lücke: die Stunden im Flugzeug, in denen man bislang vollständig von der Außenwelt abgeschnitten gewesen war. Die Welt wurde nicht nur kleiner – sie blieb zunehmend miteinander verbunden.
Die Welt rückt näher zusammen
Als ich 1991 nach London reiste, bedeutete eine Auslandsreise für einige Tage den Abschied von der vertrauten Welt. Man schrieb Postkarten, suchte Telefonzellen und meldete sich nur dann, wenn es wirklich wichtig war. Wenige Jahre später telefonierte ich selbstverständlich aus den USA mit meiner Familie. Noch einmal kurze Zeit darauf surfte ich bereits während eines Langstreckenfluges im Internet.
Keine dieser Entwicklungen veränderte die Welt für sich allein. Erst ihr Zusammenspiel ließ Entfernungen zunehmend an Bedeutung verlieren. Kommunikation löste sich immer mehr von Ort und Zeit. Informationen wurden jederzeit verfügbar, und selbst tausende Kilometer von zu Hause entfernt blieb der Kontakt zur Außenwelt bestehen.
Die Welt war nicht kleiner geworden. Aber sie war ein ganzes Stück näher zusammengerückt.

Exkurs: Weltweite Kommunikation und die Realität
Wenn ich heute über Kommunikationstechnologien spreche, begegnen mir immer wieder ähnliche Aussagen.
"Wir können Menschen zum Mond bringen, aber im Zug zwischen Dortmund und Hannover habe ich keinen Handyempfang."
"Mitten in der Großstadt habe ich schon wieder nur Edge."
"Ich wohne etwas außerhalb. Mehr als 16 Mbit/s sind hier einfach nicht möglich."
Auf den ersten Blick klingen diese Bemerkungen wie berechtigte Kritik an einer hochentwickelten technischen Welt. Tatsächlich zeigen sie aber noch etwas anderes: wie selbstverständlich moderne Kommunikation für uns geworden ist.
Vor wenigen Jahrzehnten war es völlig normal, während einer Reise tagelang nicht erreichbar zu sein. Wer aus dem Ausland telefonieren wollte, suchte eine Telefonzelle. Das Internet war teuer, langsam und nur für kurze Zeit erreichbar. Heute erwarten wir, nahezu überall auf der Welt jederzeit telefonieren, Nachrichten versenden, Videos streamen oder an Videokonferenzen teilnehmen zu können. Selbst kurze Unterbrechungen empfinden wir bereits als Einschränkung.
Gerade darin zeigt sich, wie erfolgreich diese Technologien geworden sind. Sie fallen uns erst dann auf, wenn sie einmal nicht funktionieren. Was früher als technische Sensation galt, ist heute zur gesellschaftlichen Grundversorgung geworden – ähnlich wie Strom oder fließendes Wasser.
Vielleicht ist genau das das größte Kompliment, das man einer Technologie machen kann: Sie verschwindet aus unserem Bewusstsein, weil wir sie als selbstverständlich ansehen.
Als Reisen digital wurden
Als ich Anfang der 1990er Jahre nach London reiste, entstanden meine Erinnerungen auf zwei Kleinbildfilmen mit jeweils 36 Aufnahmen. Ob ein Bild gelungen war, wusste ich oft erst Tage oder Wochen später nach der Entwicklung.
Für mich war dieses Warten allerdings weit mehr als ein gewöhnlicher Teil des Fotografierens. Mein Vater betrieb auf Norderney ein Fotolabor und zeitweise auch ein Fotofachgeschäft. Während der Schulferien verbrachte ich dort viel Zeit und lernte die analoge Fotografie von Grund auf kennen.
Strandfotografie – ein fast vergessenes Geschäftsmodell
Damals gehörten Strandfotograf:innen auf vielen deutschen Nord- und Ostseeinseln ganz selbstverständlich zum Urlaubsbild. Sie liefen mit ihren Kameras über die Inseln, fotografierten Familien, spielende Kinder oder Gruppen während einer Wattwanderung und notierten sich die Bildnummern. Anders als heute trugen die meisten Urlauber:innen keine eigene Kamera bei sich – und selbst wenn, war jeder Film mit seinen 24 oder 36 Aufnahmen kostbar. Ein professionelles Urlaubsfoto war deshalb für viele Familien eine schöne Erinnerung an die Ferien.
Am Abend brachten die Fotograf:innen ihre belichteten Filme zu uns ins Labor. Dann begann die eigentliche Arbeit. Schon als Jugendlicher öffnete ich die Filmdosen in völliger Dunkelheit, zog die Filme auf Entwicklungsspulen und spannte sie in die Entwicklungsanlage ein. Im C-41-Prozess entstanden zunächst die Negative. Anschließend wurden Kontaktabzüge erstellt – kleine Übersichtsblätter, auf denen sämtliche Aufnahmen eines Films in Miniatur zu sehen waren.
Am nächsten Morgen lagen diese Kontaktabzüge im Geschäft aus. Die Urlauber:innen suchten ihre Bilder heraus und entschieden, welche Motive sie als Papierabzüge in den damals üblichen Formaten 9x13 oder 10x15 Zentimeter bestellen wollten. Während viele ihren Urlaubstag bereits wieder am Strand verbrachten, wurden im Labor ihre Erinnerungen entwickelt.
Zwischen Chemie und Kameratechnik
Zwischen den einzelnen Entwicklungsschritten – Entwickeln, Stoppbad, Bleichen, Wässern und Stabilisieren – blieb genügend Zeit, mich mit den Kameras und Projektoren zu beschäftigen, die im Labor in großer Zahl vorhanden waren. Mein Vater war überzeugter Canon-Fotograf. Dadurch hielt ich schon als Jugendlicher nahezu jeden Canon-Body und unzählige Objektive in den Händen.
Einer unserer Strandfotografen, Harald von Blume, war dagegen überzeugter Nikon-Anhänger. Mit seiner Arbeit auf Norderney finanzierte er damals sein Psychologiestudium. Während ich Negative in Streifen schnitt, sie auf der Glasplatte des Kontaktkopierers fixierte und Kontaktabzüge anfertigte, diskutierten wir oft über die Vor- und Nachteile der beiden Systeme. Canon oder Nikon – diese Debatte wurde schon damals mit großer Leidenschaft geführt und begleitet Fotograf:innen bis heute.
Meine ersten Aufträge
Mit der Zeit fotografierte ich selbst. Häufig begleitete ich die Wattwanderungen von Kapitän Willy Martens und hielt die Gruppen unterwegs fest. Manchmal war ich sogar zweimal täglich im Watt unterwegs – gelegentlich auch auf der langen Strecke von Norderney bis nach Nessmersiel auf dem Festland. Die Fotos, die die Urlauber:innen am nächsten Morgen im Geschäft betrachteten, stammten dann nicht selten von mir.
Dadurch entwickelte ich schon früh ein Gespür dafür, wie aufwendig analoge Fotografie eigentlich war. Jeder Film kostete Geld, die Zahl der Aufnahmen war begrenzt und jeder Druck auf den Auslöser wollte gut überlegt sein. Ob ein Bild wirklich gelungen war, zeigte sich oft erst viele Stunden später.
Die digitale Revolution
Nur gut zehn Jahre später hatte sich diese Welt grundlegend verändert.
Für eine Reise nach Kalifornien kaufte ich mir mit der Canon EOS 300D meine erste digitale Spiegelreflexkamera. Sie war für mich weit mehr als nur eine neue Kamera. Zum ersten Mal konnte ich Bilder unmittelbar nach der Aufnahme betrachten, misslungene Fotos löschen und beliebig viele neue Aufnahmen machen, ohne an einen Film oder dessen Entwicklungskosten denken zu müssen.
Kino als zweites Zuhause
Neben dem Fotolabor spielte auf Norderney noch ein weiterer Ort eine besondere Rolle für mich: das damalige Kino in der Wilhelmstraße. Auf einer Insel kennt man sich. Mein Vater war mit dem Kinobetreiber gut befreundet, sodass ich schon Anfang der 1980er-Jahre – noch keine zehn Jahre alt – ganz selbstverständlich an der Kasse vorbeiging und mir den Film ansah, der gerade lief. Für mich war das nichts Besonderes. Es gehörte einfach zum Alltag. Wenn ich auf meinen Streifzügen über die Insel am Kino vorbeikam und eine Vorstellung begonnen hatte, setzte ich mich kurzerhand hinein – fast so selbstverständlich, wie andere Kinder zu Hause den Fernseher einschalteten.
Aus heutiger Sicht muss ich allerdings einräumen, dass manche Filme für einen Jungen meines Alters durchaus grenzwertig waren. Damals galten andere Maßstäbe, und ich war keineswegs der Einzige, der viel zu jung im Kinosaal saß. Auch Der weiße Hai gehörte für viele Kinder meiner Generation eher zu den gemeinsamen Ferienerlebnissen als zu einem streng überwachten Kinobesuch.
Hinter den Kulissen
Später, Anfang der 1990er-Jahre, bekam das Kino für mich noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Nach unseren abendlichen Runden über die Insel trafen wir uns häufig erst weit nach Mitternacht wieder dort. Wir waren jung, brauchten wenig Schlaf und legten in kleiner Runde einen der gerade verfügbaren Filme ein. Für einige Stunden gehörte der große Kinosaal praktisch uns allein.
Mindestens ebenso faszinierend wie die Filme selbst war jedoch die Technik dahinter. Ich erlebte, wie die schweren Filmrollen vom Flugplatz auf die Insel gebracht wurden, wie sie auf große Spulen umgeschnitten und anschließend in die Projektoren eingelegt wurden. Der Geruch des Vorführraums, das gleichmäßige Rattern der Projektoren und das warme Licht, das durch das kleine Vorführfenster auf die Leinwand fiel, haben sich tief in meine Erinnerung eingeprägt.
Vom Filmprojektor zum Heimkino
Rückblickend erkenne ich, dass sich auch hier ein roter Faden durch mein Leben zieht. Ob Fotolabor, Kino oder später digitale Fotografie – mich faszinierte nie nur das fertige Bild. Mich interessierte immer auch, wie es entstand.
Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass unser Haus heute über einen eigenen Kinokeller verfügt. Auch dort steckt viel Zeit, Planung und technische Leidenschaft. Nur eines sucht man inzwischen vergeblich: analoge Technik. Wo früher Filmrollen, Projektoren und mechanische Vorführtechnik den Takt vorgaben, arbeiten heute ein digitaler Projektor, Mehrkanalton und ein Mediaserver nahezu geräuschlos zusammen.
Trotzdem gehen wir bis heute gerne ins Kino. Erst vor Kurzem haben wir dort Die Odyssee gesehen – im Kino Zur Postkutsche in Dortmund-Aplerbeck, einem echten Pantoffelkino mit ganz eigenem Charme. Im Eingangsbereich erinnern noch die großen analogen Projektoren an vergangene Zeiten. Im Vorführraum selbst ist davon jedoch nichts mehr zu sehen. Die Filme werden längst digital angeliefert, verschlüsselt auf lokale Speichersysteme übertragen und von dort abgespielt. Die Zeit, in der schwere Filmrollen geschleppt, umgeschnitten und in Projektoren eingelegt wurden, ist – zumindest in den meisten Kinos – Geschichte. Eine der wenigen Ausnahmen bilden heute noch IMAX-Kinos, in denen analoge 70-Millimeter-Filmkopien für ausgewählte Produktionen gelegentlich noch zum Einsatz kommen.
Vielleicht beschreibt gerade dieser Wandel sehr gut, was ich in diesem Kapitel erzählen möchte. Das Kino selbst hat sich kaum verändert. Noch immer sitzen Menschen gemeinsam im dunklen Saal und lassen sich von einer Geschichte mitreißen. Verändert hat sich vor allem die Technik dahinter – und wie so oft ist sie heute so selbstverständlich geworden, dass wir sie kaum noch wahrnehmen.
Das Internet wird zum Reisetagebuch
Mit der Canon EOS 300D veränderte sich nicht nur die Art, wie ich fotografierte. Sie eröffnete mir auch eine völlig neue Möglichkeit, über Reisen zu berichten.
Gemeinsam mit meinem Co-Administrator an der Universität, Christian Ruckert, entstand die Idee, Familie, Freund:innen und Bekannte bereits während unserer Reise an unseren Erlebnissen teilhaben zu lassen. Heute klingt das selbstverständlich. Damals war es alles andere als gewöhnlich.
Facebook existierte noch nicht. YouTube war noch nicht gegründet. Instagram, Flickr oder X lagen ebenso in weiter Ferne. Wer seine Reise dokumentieren wollte, verschickte Postkarten oder zeigte nach der Rückkehr Dias beziehungsweise Fotoalben. Wir wollten einen anderen Weg gehen.
Christian gehörte damals zu den Menschen, mit denen ich viele technische Ideen austauschte. Während ich mich vor allem für Netzwerke, Microsoft-Technologien und später die Fotografie begeisterte, fühlte er sich in der Linux-Welt zu Hause. Für mich war er ein echter Linux-Spezialist. Wo ich noch nach einer Lösung suchte, hatte Christian oft schon den passenden Ansatz gefunden. Unsere unterschiedlichen Schwerpunkte ergänzten sich dabei hervorragend.
Auf einem unserer Universitätsserver hatte Christian bereits eine kleine Linux-Webseite eingerichtet, auf der unter anderem eine Fotogalerie betrieben wurde. Für meine Kalifornienreise legten wir dort einen eigenen Bereich an, den ich unterwegs kontinuierlich erweiterte. Nach jeder Etappe sichteten ich die neuen Fotos, bearbeitete sie, schrieb einen kurzen Reisebericht und stellten alles online.
Rückblickend war das nichts anderes als ein Reiseblog – zu einer Zeit, als dieser Begriff noch kaum bekannt war. Lange bevor soziale Netzwerke den Alltag bestimmten, konnten Familie, Freund:innen und Bekannte unsere Reise nahezu in Echtzeit verfolgen. Kommentare gab es damals noch nicht unter jedem Beitrag, sondern per E-Mail oder später persönlich. Doch das Grundprinzip war bereits dasselbe: Erlebnisse wurden nicht erst nach der Rückkehr erzählt, sondern schon während der Reise mit anderen geteilt.
Das Internet-Café als Redaktionsbüro
Damit begann allerdings die eigentliche Herausforderung. Hotels boten damals nur selten einen Internetzugang an. WLAN gehörte noch längst nicht zur Grundausstattung, Smartphones gab es nicht und mobile Datenverbindungen spielten praktisch keine Rolle. Wer online gehen wollte, suchte ein Internet-Café.
So gehörte es unterwegs fast schon zum festen Ritual, in jeder größeren Stadt nach einem Internet-Café Ausschau zu halten. Dort übertrugen wir die Fotos von der Speicherkarte auf einen Computer, sortierten die Aufnahmen, verkleinerten sie für das Internet und luden sie über die damals noch vergleichsweise langsamen Verbindungen auf den Server in Dortmund hoch. Anschließend ergänzten wir unsere Eindrücke des Tages und veröffentlichten den nächsten Reiseabschnitt.
Heute erledigen wir all das innerhalb weniger Sekunden direkt auf dem Smartphone. Damals war jeder einzelne Eintrag das Ergebnis sorgfältiger Vorbereitung, geeigneter Software und einer funktionierenden Internetverbindung.
Der Grand Canyon durch eine neue Linse
Zu den Höhepunkten unserer Kalifornienreise gehörte ohne Zweifel der Grand Canyon. Schon der Blick von den Aussichtspunkten entlang des Südrands war überwältigend. Doch wir wollten den Canyon nicht nur von oben betrachten. Deshalb buchten wir einen rund 45-minütigen Hubschrauberflug tief durch die Schluchten.
Unser Pilot schien früher beim Militär geflogen zu sein. Jedenfalls erinnerte mich seine Flugweise immer wieder an meine Zeit bei der Bundeswehr. Wer einmal mit einer CH-53 geflogen ist, weiß, dass zwischen einem militärischen Transporthubschrauber und einem Linienflug Welten liegen. Steile Kurven, abrupte Richtungswechsel und rasche Sinkflüge gehören dort zum Alltag. Genau dieses Gefühl hatte ich stellenweise auch über dem Grand Canyon. Der Flug war spektakulär und vermittelte eindrucksvoll, welche gewaltigen Dimensionen diese Landschaft tatsächlich besitzt.
Mit der Canon hielt ich diese Eindrücke digital fest. Gerade im Hubschrauber erwies sich das als großer Vorteil. Lichtverhältnisse änderten sich ständig, der Canyon zog in rascher Geschwindigkeit unter uns vorbei und viele Motive waren nur für wenige Sekunden sichtbar. Anders als früher musste ich nicht überlegen, ob sich eine Aufnahme lohnte. Ich konnte verschiedene Perspektiven ausprobieren, Belichtungen variieren und das Ergebnis unmittelbar kontrollieren. Misslang ein Bild, wurde es einfach gelöscht und wenige Sekunden später entstand das nächste.
Mit meinem Hintergrund aus dem Fotolabor auf Norderney empfand ich diese Freiheit als beinahe revolutionär. Noch wenige Jahre zuvor hätte jeder zusätzliche Auslöser einen weiteren Teil des Films verbraucht. Nun entstanden innerhalb weniger Minuten Dutzende Aufnahmen – und noch am selben Abend konnte ich sie in einem Internet-Café auswählen, für das Web aufbereiten und veröffentlichen.
Wenn das Wetter plötzlich umschlägt
Besonders eindrucksvoll blieb mir der Upload unserer Fotos in einem kleinen Ort nahe des Grand Canyon in Erinnerung. Dort hatte ich ein kleines Internet-Café gefunden – eigentlich kaum mehr als ein provisorisch eingerichteter Verschlag mit einigen Computern und einer Internetverbindung. Genau das war alles, was ich brauchte, um den nächsten Reisebericht online zu stellen.
Kurz nachdem ich die Kamera per USB mit dem Computer verbunden hatte, was damals noch alles andere als selbstverständlich war, zog draußen ein Unwetter auf, wie ich es bis dahin noch nie erlebt hatte. Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich der Himmel in eine schwarze Wand, und gewaltige Wassermassen ergossen sich über die Landschaft.
Bis dahin hatte ich die häufig zitierte Bemerkung, dass am Grand Canyon mehr Menschen ertrinken als abstürzen, eher für einen kuriosen Witz gehalten. Nachdem ich dieses Gewitter erlebt hatte, konnte ich diese Aussage plötzlich sehr gut nachvollziehen. Die Regenmengen, die dort innerhalb kürzester Zeit niedergingen, waren gleichermaßen beeindruckend wie beängstigend.
Während ich drinnen hochkonzentriert Bild für Bild von meiner Digitalkamera auf den Computer kopierte und anschließend über das Internet nach Deutschland übertrug, spielte sich hinter mir eine fast surreale Szene ab. Der Besitzer des kleinen Internet-Cafés lief immer wieder hinaus, hielt Planen fest, sicherte lose Gegenstände und versuchte mit aller Kraft zu verhindern, dass der Sturm seinen gesamten Verschlag auseinanderriss.
Dieser Kontrast hat sich bis heute in mein Gedächtnis eingebrannt. Auf der einen Seite saß ich vor moderner Technik und veröffentlichte nahezu in Echtzeit Bilder einer Reise am anderen Ende der Welt. Auf der anderen Seite kämpfte nur wenige Meter entfernt ein Mann mit einfachsten Mitteln gegen die Naturgewalten.
Vielleicht beschreibt genau dieses Bild den technischen Wandel der frühen 2000er Jahre besser als jede Statistik. Die digitale Welt war längst Realität geworden – doch sie existierte noch nicht losgelöst von der analogen. Sie entstand an Orten, die oft erstaunlich improvisiert wirkten, und wurde von Menschen ermöglicht, die sich gleichzeitig mit ganz alltäglichen Problemen auseinandersetzen mussten.
Vom Erinnern zum Teilen
Mit der digitalen Fotografie und dem Internet veränderte sich nicht nur die Art, wie wir Erinnerungen festhielten. Erstmals konnten Erlebnisse nahezu in Echtzeit mit anderen geteilt werden. Zwischen dem Moment, in dem ein Foto entstand, und dem Augenblick, in dem Familie und Freund:innen es zu Hause betrachten konnten, lagen plötzlich nicht mehr Wochen, sondern oft nur noch wenige Stunden.
Heute erscheint uns das selbstverständlich. Wir senden Bilder, Videos und Nachrichten innerhalb von Sekunden rund um den Globus. Anfang der 2000er Jahre war dies jedoch ein kleiner Blick in die Zukunft. Digitalkamera, Notebook, Internet-Café und eine funktionierende Internetverbindung machten erstmals möglich, was zuvor unvorstellbar gewesen wäre: Menschen konnten an einer Reise teilnehmen, obwohl sie Tausende Kilometer entfernt waren.
Rückblickend war dies weit mehr als eine neue Art zu fotografieren. Es war der Beginn einer Entwicklung, in der Erlebnisse nicht mehr erst nach ihrer Rückkehr erzählt wurden. Sie wurden Teil des Augenblicks – und konnten nahezu in Echtzeit mit anderen geteilt werden.
Der Computer wird zum Begleiter
Nach einigen Jahren hatte sich der Computer fest in meinem Alltag etabliert. Aus dem einen PC auf meinem Schreibtisch war nach und nach eine kleine IT-Infrastruktur geworden. Auf den ersten Pentium mit 90 MHz folgten schon bald ein Pentium 100 und später ein Pentium 133. Damals schien jede neue Prozessorgeneration einen gewaltigen Leistungssprung zu versprechen. Mitte der 1990er Jahre setzte eine Entwicklung ein, in der die Leistungsfähigkeit von Prozessoren, Arbeitsspeicher und Festplatten beinahe im Jahresrhythmus spürbar zunahm. Prozessoren wurden schneller, der Arbeitsspeicher größer und die Festplatten boten immer mehr Platz. Was heute selbstverständlich erscheint, fühlte sich damals wie ein atemberaubendes Innovationstempo an.
In meiner Schreibtischschublade liegen bis heute einige Relikte aus dieser Zeit. Besonders ist mir die Rechnung für mein Speicherupgrade von vier auf acht Megabyte Arbeitsspeicher in Erinnerung geblieben. Nachdem mein Händler die alten Speichermodule freundlicherweise in Zahlung genommen hatte, kostete mich die Erweiterung immer noch stolze 383 D-Mark. Damals war ich überzeugt, dass Windows 95 mit diesen zusätzlichen vier Megabyte Arbeitsspeicher nun endlich so richtig durchstarten würde.
Auch die Festplatten wuchsen mit jeder neuen Computergeneration. Meine erste Festplatte mit 1,2 Gigabyte erschien mir damals nahezu unerschöpflich. Wenig später sprachen wir bereits über zehn oder zwanzig Gigabyte – Größenordnungen, die ich wenige Jahre zuvor für kaum vorstellbar gehalten hätte. Dabei hatte ich mich noch kurz zuvor mit Disketten und Festplatten im dreistelligen Megabyte-Bereich beschäftigt.
Inzwischen standen bei mir zu Hause mehrere miteinander vernetzte Computer bereit, ergänzt durch Netzwerkdrucker, Scanner und eigene Server, die in der kleinen Abstellkammer unserer Altbauwohnung in der Dortmunder Nordstadt ihren Platz fanden. Einen angenehmen Nebeneffekt hatte das durchaus: Dort herrschten dank der ständig laufenden Server das ganze Jahr über gleichbleibend warme und trockene Bedingungen. Was ursprünglich aus Neugier und Experimentierfreude entstanden war, entwickelte sich nach und nach zu einer kleinen privaten IT-Landschaft.
Auch an der Universität veränderte sich meine Rolle grundlegend. Aus der Verantwortung für eine einzelne Datenbank war im Laufe der Jahre die Mitverantwortung für die gesamte IT-Infrastruktur des Fachbereichs geworden. Parallel dazu begann sich auch mein beruflicher Weg langsam in eine Richtung zu entwickeln, die ich zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht vorhersehen konnte.
Vom Administrator zum Team
An der Universität hatte sich mein Aufgabenbereich inzwischen erheblich erweitert. Gemeinsam mit Christian Ruckert und mit dem großen Vertrauen unseres damaligen Dekans, Professor Peter Vogel, entstand über die Jahre eine IT-Infrastruktur, die weit über das hinausging, womit ich ursprünglich begonnen hatte. Aus der Betreuung einer einzelnen Datenbank entwickelte sich eine Umgebung mit mehr als hundert Arbeitsplatzrechnern, zahlreichen Servern, einer umfangreichen Softwarelandschaft und einem stetig wachsenden Netzwerk. Aus einem einzelnen Projekt war eine professionelle IT-Landschaft für den gesamten Fachbereich geworden.
Mit der Technik wuchs auch die Verantwortung. Gemeinsam bauten wir ein kleines Team auf, das wir überwiegend aus Studierenden der Informatik, aber auch der Geisteswissenschaften zusammenstellten. Diese Mischung erwies sich als ausgesprochen wertvoll. Natürlich brauchten wir Spezialist:innen für Netzwerke, Datenbanken, Softwareentwicklung und den First-Level-Support. Gerade im direkten Kontakt mit Lehrenden und Studierenden zeigte sich jedoch immer wieder, dass technisches Fachwissen allein nicht ausreichte. Geduld, Kommunikationsfähigkeit und Einfühlungsvermögen waren oft genauso wichtig wie fundierte Kenntnisse über Server, Datenbanken oder Netzwerke. Rückblickend bin ich überzeugt, dass gerade diese unterschiedlichen fachlichen Hintergründe wesentlich zum Erfolg unseres Teams beigetragen haben.
Die Universität war für uns weit mehr als nur ein Arbeitsplatz. Sie bot uns die Freiheit, neue Ideen auszuprobieren, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Vieles, was heute unter Projektmanagement, Teamarbeit oder agilem Arbeiten zusammengefasst wird, entstand bei uns ganz selbstverständlich aus dem Alltag heraus. Wir lernten voneinander, diskutierten neue Technologien, halfen uns gegenseitig und entwickelten die Infrastruktur Schritt für Schritt weiter.
Für mich war dies die erste echte Führungsaufgabe. Ich lernte, dass erfolgreiche IT-Projekte nicht allein durch leistungsfähige Hardware oder gute Software entstehen. Entscheidend sind die Menschen, die gemeinsam Verantwortung übernehmen, ihr Wissen weitergeben und sich gegenseitig unterstützen. Diese Erfahrung begleitet mich bis heute – nicht nur in der IT, sondern auch in meiner späteren Tätigkeit als Trainer.
Natürlich kam bei aller Arbeit auch der Spaß nicht zu kurz. Wir trafen uns nach Feierabend nicht selten im PC-Pool des Fachbereichs an der Emil-Figge-Straße 50 zu einer gemeinsamen Spielrunde. Mit dem Erscheinen von World of Warcraft änderte sich jedoch auch das. Zum ersten Mal mussten wir uns nicht mehr zwangsläufig an einem Ort treffen. Wir gründeten eine kleine Administrator:innen-Gilde und konnten gemeinsam Abenteuer erleben, obwohl einzelne bereits von zu Hause aus teilnahmen.
Damals empfanden wir das vor allem als komfortabel. Heute erkenne ich darin einen kleinen Vorboten dessen, was wenig später auch unsere Arbeitswelt grundlegend verändern sollte. Zusammenarbeit war plötzlich nicht mehr an einen gemeinsamen Ort gebunden. Was zunächst in einem Computerspiel selbstverständlich wurde, entwickelte sich wenige Jahre später zu einem festen Bestandteil des beruflichen Alltags.
Der erste Schritt in die Mobilität
Bis zu diesem Zeitpunkt spielte sich mein beruflicher Alltag fast ausschließlich an festen Orten ab. Ich arbeitete an der Universität, später in Schulungsräumen oder bei Kund:innen. Überall standen Computer zur Verfügung – nur eben nicht derselbe. Wer auf seine gewohnte Arbeitsumgebung zugreifen wollte, musste dort arbeiten, wo sich der Rechner befand.
Einen Computer mitzunehmen war damals kaum eine realistische Option. Ein Arbeitsplatz bestand aus einem schweren Tower, einem klobigen Röhrenmonitor, Tastatur, Maus und einem ganzen Bündel an Kabeln. Wer Ende der 1990er Jahre regelmäßig LAN-Partys besuchte, erinnert sich vermutlich noch gut daran, dass der Weg vom Auto zum Veranstaltungsraum durchaus den Gang ins Fitnessstudio ersetzen konnte. Von einem mobilen Arbeitsplatz konnte jedenfalls noch keine Rede sein.
Mit dem Einstieg in die Microsoft-Zertifizierungswelt und den ersten eigenen Schulungsaufträgen änderten sich jedoch auch meine Anforderungen. Ich war immer häufiger unterwegs, bereitete Seminare vor, entwickelte Übungsunterlagen und musste Präsentationen an unterschiedlichen Orten aktualisieren. Schnell wurde mir klar, dass ich meine Arbeitsumgebung künftig nicht mehr zurücklassen konnte. Sie musste mich begleiten.
Genau an diesem Punkt kamen die ersten leistungsfähigen Notebooks ins Spiel. Was zunächst wie eine kleinere und deutlich teurere Variante eines Desktop-PCs wirkte, entwickelte sich rasch zu einem völlig neuen Arbeitskonzept. Zum ersten Mal ließ sich der eigene Arbeitsplatz zusammenklappen und mitnehmen.
Heute erscheinen Notebooks selbstverständlich. Ende der 1990er Jahre waren sie jedoch noch echte Prestigeobjekte. Leistungsfähige Modelle kosteten schnell mehrere tausend D-Mark und stellten für viele Privatpersonen eine kaum erschwingliche Investition dar. Gleichzeitig mussten sie einen schwierigen Spagat meistern: Sie sollten möglichst leicht sein und dennoch genügend Leistung, Akkulaufzeit und Anschlüsse bieten, um einen Desktop-PC zumindest teilweise ersetzen zu können.
Auch ich entschied mich schließlich für diesen Schritt. Zum ersten Mal konnte ich Seminarunterlagen vorbereiten, Software entwickeln oder Dokumente bearbeiten, ohne an einen bestimmten Raum gebunden zu sein. Im Hotel, bei Kund:innen, an der Universität oder unterwegs im Zug – überall entstand plötzlich die Möglichkeit, produktiv zu arbeiten. Rückblickend war das weit mehr als nur eine neue Geräteklasse. Es war der Beginn einer Arbeitsweise, die meinen Berufsalltag bis heute prägt.
Doch eine entscheidende Einschränkung blieb bestehen. Sobald ich das Büro oder die Universität verließ, endete meist auch die Verbindung zur Außenwelt. Programme und Dokumente hatte ich zwar dabei, E-Mails, Server oder das Internet blieben unterwegs jedoch häufig unerreichbar. Der Computer war mobil geworden – wirklich vernetzt war er allerdings noch nicht.
Der Zufall heißt Microsoft
Parallel zu meiner Tätigkeit an der Universität zeichnete sich eine weitere Entwicklung ab, die meinen beruflichen Weg nachhaltig verändern sollte.
Mein Studienfreund Kay Pingler, mit dem ich bis heute in Kontakt stehe, hatte sich bereits auf den Weg gemacht, Microsoft Certified Professional zu werden. Er hatte zunächst die Zertifizierung für Windows 95 erworben und spielte anschließend mit dem Gedanken, den damals noch jungen Titel des Microsoft Certified Systems Engineer (MCSE) für Windows NT 4.0 zu erwerben. Ende der 1990er Jahre erreichte dieses aus den USA stammende Zertifizierungsprogramm zunehmend auch Deutschland und entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einem anerkannten Qualitätsmerkmal für Administrator:innen und IT-Fachkräfte.
Durch meine Arbeit am Fachbereich beschäftigte ich mich ohnehin täglich mit Netzwerken, Servern und Microsoft-Technologien. Die Idee, mein Wissen durch eine internationale Zertifizierung zu vertiefen und offiziell nachzuweisen, faszinierte mich sofort. Es gab allerdings ein erhebliches Hindernis: Eine vollständige MCSE-Ausbildung einschließlich der erforderlichen Schulungen und Prüfungen kostete damals rund 25.000 D-Mark – für mich als Student eine Summe, die völlig außerhalb meiner finanziellen Möglichkeiten lag.
Eigentlich war das Thema damit erledigt.
Wie so oft in meinem Leben spielte jedoch der Zufall eine entscheidende Rolle. Meine damalige Lebensgefährtin entdeckte im Hochschulrechenzentrum einen Aushang von Microsoft und hielt mir den Flyer mit den Worten unter die Nase: „Das ist doch genau das Richtige für dich.“
Microsoft hatte ein bundesweites Förderprogramm für Studierende ins Leben gerufen. Wer sich bewarb, erhielt ein vergünstigtes Selbstlernkit für die Prüfung Networking Essentials (70-058) sowie einen Gutschein für die Zertifizierungsprüfung. Die Aufgabe war ebenso einfach wie anspruchsvoll: Die Prüfung musste innerhalb eines festgelegten Zeitraums erfolgreich bestanden werden. Die ersten eintausend Teilnehmer:innen sollten anschließend ein vollständiges Stipendium für die Ausbildung zum Microsoft Certified Systems Engineer erhalten.
Diese Chance ließ ich mir nicht entgehen. Ich bereitete mich vollständig im Selbststudium vor. Damals gab es für mich keine teuren Vorbereitungskurse, sondern Bücher, Übungsaufgaben und viele Abende, an denen ich mich intensiv mit Netzwerken, Protokollen und den Grundlagen moderner IT-Infrastrukturen beschäftigte. Die eigentliche Zertifizierungsprüfung legte ich schließlich bei Dr. Materna in Dortmund ab – einem Unternehmen, das in der deutschen IT-Landschaft bis heute einen hervorragenden Namen besitzt.
Als das Prüfungsergebnis auf dem Bildschirm erschien, war klar: Ich hatte den ersten Schritt geschafft. Damit war ich Teil des Microsoft Campus Program.
Ein Jahr im Microsoft Campus Program
Mit der bestandenen Prüfung begann für mich ein außergewöhnliches Jahr. Das Microsoft Campus Program bot weit mehr als nur die Möglichkeit, kostengünstig Zertifizierungen abzulegen. Es eröffnete mir einen Einblick in eine Welt, die ich bis dahin nur aus Fachbüchern und Zeitschriften kannte.
Über viele Monate hinweg erhielten wir regelmäßig aktuelle Selbstlernunterlagen, Microsoft-Software und umfangreiche Dokumentationen. Ergänzt wurde das Programm durch Schulungswochenenden bei renommierten Schulungsunternehmen, auf denen wir die Inhalte gemeinsam vertieften, Erfahrungen austauschten und uns auf die nächsten Zertifizierungsprüfungen vorbereiteten. Aus dem anfänglichen Selbststudium entwickelte sich nach und nach ein bundesweites Netzwerk engagierter Studierender, die alle dasselbe Ziel verfolgten.
Die Ausbildung verlangte Disziplin. Eine Prüfung folgte der nächsten. Windows NT Server, Windows NT Workstation, IIS, Exchange Server, SQL Server – jedes bestandene Examen brachte mich dem Ziel ein Stück näher. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie eng die einzelnen Technologien miteinander verzahnt waren. Es ging längst nicht mehr darum, einzelne Produkte zu beherrschen. Microsoft vermittelte mit dem MCSE eine ganzheitliche Sicht auf Unternehmensnetzwerke und deren Administration.
Nicht alle Teilnehmer:innen erreichten das Ziel. Von mehreren tausend Studierenden, die in das Förderprogramm aufgenommen worden waren, schlossen letztlich etwas mehr als eintausend die vollständige Ausbildung erfolgreich ab. Ich gehörte zu dieser Gruppe.
Den feierlichen Abschluss bildete der Microsoft Partnerkongress in Köln. Dort wurden wir den Microsoft-Partnerunternehmen aus ganz Deutschland vorgestellt. Noch heute erinnere ich mich an die Worte des damaligen Deutschland-Geschäftsführers Richard Roy, der sich an die anwesenden Unternehmen wandte:
„Ihr wollt zertifiziertes Personal – hier habt ihr welches!“
Damals verstand ich diese Aussage vor allem als Anerkennung für die vielen Monate intensiver Vorbereitung. Rückblickend war sie weit mehr als das. Sie markierte den Beginn einer beruflichen Laufbahn, die mich bis heute begleitet.
Und was nun?
Mit dem Abschluss des Microsoft Campus Programs hielt ich plötzlich einen Titel in den Händen, der damals in der IT-Branche einen ausgezeichneten Ruf genoss. Ich war Microsoft Certified Systems Engineer. Das Ziel, auf das ich über viele Monate hingearbeitet hatte, war erreicht.
Doch schon nach kurzer Zeit stellte sich eine ganz andere Frage: Was mache ich jetzt damit?
An der Universität verlief mein Weg weiterhin vielversprechend. Mein Vordiplom hatte ich bereits nach der Regelstudienzeit von drei Semestern abgeschlossen. Aus der Verantwortung für eine einzelne Datenbank waren nach und nach immer größere Aufgaben entstanden. Zunächst arbeitete ich als studentische Hilfskraft, später als wissenschaftliche Hilfskraft und schließlich als wissenschaftlicher Angestellter. Mit jedem neuen Projekt wuchs mein Verantwortungsbereich.
Rückblickend war das eine Karriere, wie sie wohl nur in den 1990er Jahren möglich war. Die IT entwickelte sich mit einer Geschwindigkeit, die heute kaum noch vorstellbar ist. Überall wurden Menschen gesucht, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen und sich in neue Themen einzuarbeiten. Wer Interesse zeigte, neugierig blieb und Probleme lösen konnte, erhielt häufig die Chance, einfach loszulegen. Einen minutiös geplanten Karriereweg gab es selten. Man war zur richtigen Zeit am richtigen Ort – und sagte möglichst selten Nein.
Genau das war auch meine Strategie. Immer wenn sich ein neues Projekt ergab, wollte ich wissen, wie es funktionierte. Netzwerke, Server, Datenbanken, Softwareentwicklung oder Support – jedes neue Thema eröffnete weitere Möglichkeiten. Ohne es bewusst zu planen, entwickelte ich mich Schritt für Schritt vom Datenbankadministrator zu einem Generalisten für die IT-Infrastruktur des gesamten Fachbereichs.
Parallel dazu näherte sich mein Studium seinem Abschluss. Ich hatte alle Leistungsnachweise erbracht und konnte mich zu den Diplomprüfungen anmelden. Anschließend begann ich mit meiner Diplomarbeit. Da sich mein Studienschwerpunkt inzwischen auf Erwachsenenbildung und berufliche Weiterbildung verlagert hatte, lag das Thema beinahe auf der Hand.
„Zu den Begriffen der Qualifizierung und der Qualifikation in der Erwachsenenbildung am Beispiel des Microsoft-Zertifizierungsprogramms.“
Die Verbindung von Pädagogik und Informationstechnologie faszinierte mich inzwischen genauso sehr wie die Technik selbst. Durch das Microsoft Campus Program hatte ich nicht nur unzählige neue Technologien kennengelernt. Ich hatte auch erlebt, wie Wissen vermittelt wurde und wie unterschiedlich Menschen lehren konnten.
Ich begegnete Trainer:innen, die komplexe technische Zusammenhänge mit beeindruckender Klarheit erklärten und ihre Begeisterung auf die Teilnehmenden übertrugen. Andere verfügten über enormes Fachwissen, schafften es jedoch kaum, dieses verständlich zu vermitteln. Wieder andere hatten vor allem erkannt, dass sich mit aktuellen Technologietrends gutes Geld verdienen ließ – ein Phänomen, das sich bis heute immer wieder beobachten lässt, ob bei Cloud Computing, IT-Sicherheit oder inzwischen bei Künstlicher Intelligenz.
Gerade diese unterschiedlichen Erfahrungen machten mich neugierig. Ich begann mich zu fragen, was wirklich gute IT-Trainer:innen auszeichnet. Reicht technisches Wissen allein aus? Oder braucht es zusätzlich didaktisches Verständnis, Empathie und die Fähigkeit, Menschen für komplexe Themen zu begeistern?
Je länger ich darüber nachdachte, desto deutlicher wurde mir, dass genau an dieser Schnittstelle meine beiden Welten zusammenliefen. Die Technik faszinierte mich nach wie vor. Gleichzeitig wollte ich Wissen nicht nur anwenden, sondern auch verständlich weitergeben.
Der Weg zum Microsoft Certified Trainer
Je länger ich mich mit meiner Diplomarbeit beschäftigte, desto deutlicher wurde mir, dass ich mich nicht zwischen Pädagogik und Informationstechnologie entscheiden wollte. Im Gegenteil – beide Bereiche ergänzten sich für mich auf überraschende Weise. Die Technik faszinierte mich nach wie vor. Gleichzeitig machte es mir immer mehr Freude, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären und andere Menschen auf ihrem Lernweg zu begleiten.
Irgendwann stellte ich mir deshalb eine ganz einfache Frage: Was muss ich eigentlich tun, um selbst Microsoft-Trainer zu werden?
Heute würde man vermutlich zunächst eine Website besuchen, Formulare ausfüllen oder sich durch verschiedene Onlineportale klicken. Ende der 1990er Jahre war das noch deutlich unkomplizierter. Ich griff zum Telefon und rief bei Microsoft Deutschland an. Die Antwort überraschte mich.
Ein Microsoft Certified Trainer musste seine aktuellen technischen Zertifizierungen nachweisen und zusätzlich belegen, dass er über didaktische Fähigkeiten verfügte. Für Deutschland wurde dieser Nachweis in der Regel durch ein spezielles Train-the-Trainer-Seminar erbracht. Mein Ansprechpartner war damals Rolf Kirchner von IPM, der das Programm in Deutschland betreute. Er nahm sich umfassend Zeit, erklärte mir den Ablauf und stellte schließlich eine einfache Gegenfrage:
„Sie haben doch Pädagogik studiert?“
Ich bejahte.
Daraufhin erklärte er mir, dass mein abgeschlossenes Diplom als didaktischer Qualifikationsnachweis anerkannt werden könne. Ein zusätzliches Train-the-Trainer-Seminar würde ich in meinem Fall gar nicht benötigen.
Ich musste meine Unterlagen lediglich vollständig einreichen. Wenige Zeit später erhielt ich die Bestätigung. Neben meinem Diplom als Pädagoge und der MCSE-Zertifizierung durfte ich nun auch den Titel Microsoft Certified Trainer (MCT) führen.
Rückblickend war das weit mehr als nur eine weitere Zertifizierung. Zum ersten Mal verbanden sich meine beiden beruflichen Welten zu einem stimmigen Gesamtbild. Die Informationstechnologie bildete die fachliche Grundlage, die Pädagogik lieferte das methodische Fundament. Erst die Kombination aus beidem machte den Beruf möglich, den ich bis heute mit großer Begeisterung ausübe.
Doch erneut stellte sich mir dieselbe Frage wie nach dem MCSE: Und was mache ich jetzt damit?
Eine Entscheidung fürs Leben – Zwei Wege
Plötzlich standen mir zwei völlig unterschiedliche Wege offen: Auf der einen Seite die Universität. Peter Vogel hatte mich über viele Jahre gefördert und mir immer wieder neue Möglichkeiten eröffnet. Aus der studentischen Hilfskraft war schließlich ein wissenschaftlicher Mitarbeiter geworden. Nach meinem Diplom wäre auch eine Promotion durchaus denkbar gewesen. Die Universität bot Sicherheit, spannende Projekte und ein Umfeld, das mir ans Herz gewachsen war.
Auf der anderen Seite entwickelte sich beinahe unbemerkt eine zweite berufliche Perspektive. Durch den MCSE und den MCT lernte ich immer mehr Menschen aus der deutschen IT-Branche kennen. Ende der 1990er und zu Beginn der 2000er Jahre war die Nachfrage nach qualifizierten Microsoft-Trainer:innen enorm. Unternehmen führten Windows NT, Exchange Server und später Windows 2000 ein, bauten neue Netzwerke auf und benötigten Administrator:innen, die sich mit den neuen Technologien auskannten. Gleichzeitig mussten diese Menschen ausgebildet werden.
Damals sprach sich erstaunlich schnell herum, wenn irgendwo ein Microsoft Certified Trainer noch freie Kapazitäten hatte. Das Handy klingelte häufiger, als ich erwartet hätte.
Zunächst wollte ich lediglich herausfinden, ob diese Tätigkeit überhaupt zu mir passte. Mit Unterstützung von Peter Vogel ließ ich mich für einzelne Schulungsaufträge freistellen. Einer der ersten Auftraggeber war Dr. Heuer, der im Auftrag des TÜV Süd auf dem Dortmunder Campus erste Qualifizierungsmaßnahmen nach dem Sozialgesetzbuch III aufbaute, bevor er in Bochum die recht bekannte IT-Akademie Dr. Heuer gründete. Für ihn übernahm ich mehrere Schulungsreihen und sammelte meine ersten Erfahrungen außerhalb der Universität.
Weiterbildung als zweite Chance
Wenn heute von SGB-III-Maßnahmen die Rede ist, verbinden viele Menschen damit vor allem kompakte Umschulungen oder Qualifizierungsprogramme für den schnellen Einstieg in den IT-Arbeitsmarkt. Ende der 1990er und zu Beginn der 2000er Jahre stellte sich die Situation jedoch häufig anders dar. Viele Teilnehmende verfügten bereits über langjährige Berufserfahrung in der Informationstechnologie. Sie waren Administrator:innen, Techniker:innen oder Entwickler:innen, hatten sich ihr Wissen über viele Jahre in der Praxis angeeignet, jedoch nie eine formale Ausbildung oder anerkannte Weiterbildung absolviert. Der rasante technologische Wandel und wirtschaftliche Veränderungen hatten sie arbeitslos werden lassen.
Für diese Zielgruppe boten die damals noch jungen Herstellerzertifizierungen von Microsoft, Cisco, Novell, CompTIA oder später LPIC eine echte Chance. Sie ermöglichten es, vorhandene praktische Erfahrungen durch international anerkannte Abschlüsse zu ergänzen und damit den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt deutlich zu erleichtern. Die Qualifizierungen waren häufig auf zwölf Monate angelegt, fachlich anspruchsvoll und mit erfahrenen Trainer:innen besetzt. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an die Teilnehmenden – und auch an uns Dozent:innen.
Im Laufe der folgenden Jahrzehnte habe ich diesen Weiterbildungsbereich kontinuierlich begleitet und beobachtet. Wie in vielen anderen Bereichen haben sich auch hier Zielgruppen, Rahmenbedingungen und politische Zielsetzungen verändert. Dadurch haben sich zwangsläufig auch Inhalte, Dauer und Durchführung vieler Maßnahmen gewandelt. Unabhängig davon bin ich bis heute überzeugt, dass fundierte Weiterbildung einer der wichtigsten Schlüssel bleibt, um Menschen neue berufliche Perspektiven zu eröffnen.
Der Trainerberuf
Parallel dazu nahm ich Kontakt zu verschiedenen Schulungsunternehmen in Dortmund und der näheren Umgebung auf. Ehrlich gesagt rechnete ich damals mit einigen höflichen Absagen. Stattdessen öffneten sich überraschend viele Türen. Überall bestand Interesse an einem jungen Microsoft Certified Trainer mit praktischem Projekthintergrund und einem pädagogischen Studium.
Je mehr Seminare ich hielt, desto deutlicher bemerkte ich, wie sehr mir diese Arbeit lag. Ich entwickelte Schulungsunterlagen, bereitete Übungen vor und stand täglich vor neuen Gruppen von Teilnehmer:innen. Keine Veranstaltung verlief wie die andere. Jede Gruppe stellte andere Fragen, brachte andere Erfahrungen mit und zwang auch mich dazu, mich ständig weiterzuentwickeln.
Dennoch konnte ich mich lange Zeit nicht entscheiden. Beide Wege hatten ihren Reiz. Die Universität bot eine langfristige Perspektive und wissenschaftliches Arbeiten. Die Tätigkeit als Trainer versprach dagegen Abwechslung, neue Begegnungen und die Möglichkeit, mein technisches Wissen unmittelbar weiterzugeben. Je häufiger ich vor Gruppen stand, desto deutlicher wurde mir, dass ich nicht nur Freude an der Technik hatte. Mindestens genauso wichtig war für mich die Aufgabe, komplexe Inhalte verständlich zu vermitteln.
Der Abschied von der Universität
Zum zweiten Mal in meinem Leben waren es schließlich die privaten Umstände, die die Entscheidung für mich trafen. Ich beendete meine Tätigkeit an der Universität Dortmund und entschloss mich, den Schritt in die Freiberuflichkeit zu wagen. Rückblickend war dies eine der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens. In dieser Zeit lernte ich auch meine heutige Frau kennen. Seit inzwischen mehr als zwanzig Jahren begleitet sie meinen beruflichen Weg mit all seinen Chancen, Herausforderungen und unzähligen Reisen quer durch Deutschland.
Mein Arbeitsplatz war längst nicht mehr nur ein Büro oder der Campus der Universität. Von nun an warteten Unternehmen, Schulungszentren und Kund:innen in ganz Deutschland auf mich. Damit veränderte sich auch mein Verhältnis zur Technik.
Der Computer blieb nicht länger an einem festen Ort zurück. Er wurde zu meinem ständigen Begleiter.
Der Arbeitsplatz unterwegs
Mit der Entscheidung für die Freiberuflichkeit veränderte sich nicht nur mein Beruf, sondern auch mein Alltag. Während ich an der Universität über Jahre hinweg denselben Arbeitsplatz genutzt hatte, begann nun ein Leben zwischen Hotels, Schulungszentren, Firmenstandorten und Bahnhöfen. Kaum eine Woche verlief wie die andere.
Sonntagabend bedeutete häufig eine mehrstündige Autofahrt quer durch Deutschland. Am Freitag ging es wieder zurück nach Hause. Dazwischen entstanden Schulungsunterlagen, wurden Präsentationen überarbeitet, Übungen vorbereitet, E-Mails beantwortet und technische Probleme gelöst. All das musste unterwegs erledigt werden.
Heute erscheint das selbstverständlich. Wir greifen zum Notebook, öffnen Microsoft 365 und arbeiten nahtlos weiter. Dokumente liegen in der Cloud, Termine werden automatisch synchronisiert und eine stabile Internetverbindung ist nahezu überall verfügbar.
Damals war davon kaum etwas selbstverständlich. Wer mobil arbeiten wollte, musste seine gesamte Arbeitsumgebung mitnehmen. Präsentationen, virtuelle Maschinen, Software, Handbücher und Kundendaten befanden sich ausschließlich auf dem eigenen Computer. Fiel die Festplatte aus oder blieb das Gerät zu Hause, war die Arbeitsgrundlage im schlimmsten Fall verloren. Einen schnellen Zugriff über das Internet gab es praktisch nicht. Der Computer wurde damit vom Arbeitsgerät zum unverzichtbaren Reisebegleiter.
Zwei Computer für zwei Aufgaben
Schon während meiner Zeit an der Universität besaß ich ein Notebook der Firma Maxdata aus Marl. Es war genau jener Kompromiss aus Leistung, Mobilität und Gewicht, der für die sogenannten Schlepptops der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre typisch war. Leistungsfähig genug, um meinen Büroalltag zu erledigen, Seminare vorzubereiten und unterwegs produktiv zu arbeiten, gleichzeitig aber schwer, voluminös und mit einer Akkulaufzeit, die sorgfältig geplant werden wollte.
An ein Detail erinnere ich mich bis heute besonders gern. Die Ingenieur:innen bei Maxdata hatten sich Gedanken darüber gemacht, wie sich die entstehende Wärme besser ableiten ließ. Wurde das Notebook stärker belastet, konnten auf der Unterseite kleine Kunststofffüße ausgeklappt werden. Sie hoben das Gerät einige Millimeter an, sodass mehr Luft unter dem Gehäuse zirkulieren konnte. Für uns waren diese Klappfüße einfach die Spoiler des Notebooks – bevor das Gerät richtig arbeiten musste, wurden sie erst ausgefahren. Eine ebenso einfache wie pfiffige Idee, die den Erfindungsgeist vieler Hardwarehersteller jener Zeit widerspiegelte.
Mit zunehmender Reisetätigkeit wurde mir jedoch klar, dass es den perfekten mobilen Computer nicht gab. Für die Enge im Zug, eine kurze Internetrecherche oder das Lesen von E-Mails war selbst dieses Notebook oft zu groß und zu schwer. Ich suchte daher nach einem deutlich kleineren Gerät, das mich überallhin begleiten konnte und innerhalb weniger Sekunden einsatzbereit war.
Gleichzeitig stiegen die Anforderungen meiner Seminare stetig. Neue Microsoft-Betriebssysteme, Exchange Server, SharePoint Server und virtuelle Testumgebungen verlangten nach immer leistungsfähigerer Hardware. Dafür benötigte ich praktisch das Gegenteil: einen transportablen Rechner mit der Leistung eines Desktop-PCs.
So entstand eine Strategie, die mich viele Jahre begleiten sollte. Anstatt einen einzigen Computer für alle Aufgaben zu suchen, setzte ich bewusst auf zwei Geräteklassen: einen kompakten digitalen Begleiter für unterwegs und eine leistungsstarke mobile Workstation als vollständigen Ersatz für meinen Arbeitsplatz. Rückblickend hat sich dieses Konzept bis heute bewährt – auch wenn sich die Geräte selbst grundlegend verändert haben.
Der digitale Assistent in der Jackentasche
So zufrieden ich mit meinem Maxdata-Notebook auch war – im Alltag zeigte sich schnell, dass es nicht jede Aufgabe gleichermaßen gut lösen konnte. Für längere Arbeiten war es ideal. Wollte ich unterwegs jedoch nur einen Termin prüfen, eine Telefonnummer nachschlagen oder kurz eine E-Mail lesen, erschien selbst das Notebook oft zu groß und zu umständlich. Ich begann deshalb nach einem zweiten Gerät zu suchen, das genau diese Lücke schließen sollte.
Fündig wurde ich bei den sogenannten Personal Digital Assistants, kurz PDAs. Während Palm vor allem auf eine möglichst einfache Bedienung setzte, verfolgte Microsoft mit Windows CE und später Pocket PC einen anderen Ansatz. Ziel war es, die vertraute Windows-Welt in ein handliches Format zu übertragen und möglichst eng mit Microsoft Outlook zu verzahnen.
Mein erster digitaler Begleiter war ein HP Jornada 720. Aus heutiger Sicht wirkt das Gerät unscheinbar. Für mich eröffnete es jedoch eine völlig neue Art des Arbeitens.
Der Alltag wird mobil
Zum ersten Mal trug ich meinen Kalender, meine Kontakte, Aufgaben und Notizen ständig bei mir. Änderungen wurden über Microsoft ActiveSync mit Outlook synchronisiert. Was heute selbstverständlich über Cloud-Dienste geschieht, erforderte damals noch eine Dockingstation oder später ein USB-Kabel. Dennoch fühlte sich dieser Vorgang beinahe magisch an. Ein neu eingetragener Termin erschien kurze Zeit später auf beiden Geräten, ohne dass ich ihn ein zweites Mal erfassen musste.
Gerade auf Reisen lernte ich diesen kleinen Computer schnell zu schätzen. Während das Notebook meist im Koffer blieb, genügte oft ein Griff in die Jackentasche. Kundendaten, Hotelreservierungen oder die Agenda des nächsten Seminartages waren jederzeit verfügbar. Selbst kleinere Notizen entstanden häufig direkt auf dem Jornada.
Rückblickend war der PDA weit mehr als ein elektronischer Terminkalender. Zum ersten Mal wurden persönliche Informationen unabhängig vom Arbeitsplatz ständig verfügbar. Viele Ideen, die wir heute mit Smartphones verbinden, begegneten mir bereits damals: mobile Informationsverwaltung, Synchronisation zwischen mehreren Geräten und der Gedanke, wichtige Daten jederzeit griffbereit zu haben.
Interessanterweise nutzte meine damalige Lebensgefährtin einen Palm V von 3Com und verfolgte damit einen völlig anderen Ansatz. Während mein Jornada mit Windows CE möglichst viele Funktionen des Windows-Desktops in ein mobiles Format übertragen wollte, setzte Palm konsequent auf Einfachheit und Effizienz. Die Akkulaufzeit des Palm war seinerzeit beeindruckend und den Geräten ihrer Zeit deutlich voraus. Mir persönlich war das Konzept jedoch zu spartanisch. Ich schätzte die größere Funktionsvielfalt und die enge Integration in die Microsoft-Welt, auch wenn ich dafür ein etwas größeres Gerät und häufigeres Aufladen in Kauf nehmen musste.
Es fehlt nur noch eine Verbindung
So unterschiedlich Palm und Pocket PC auch waren – eines hatten beide Geräte gemeinsam: Sie verwalteten Informationen hervorragend, lebten jedoch von Daten, die zuvor mit dem Desktop-PC synchronisiert worden waren. Kalender, Kontakte und Notizen hatte ich jederzeit dabei, aktuelle Informationen hingegen nicht.
Wollte ich unterwegs E-Mails abrufen, im Internet recherchieren oder kurzfristige Änderungen an einem Termin erhalten, stieß dieses Konzept schnell an seine Grenzen. Der PDA musste zunächst mit der Außenwelt verbunden werden. Erst dann wurde aus einem mobilen Organizer ein wirklich mobiles Arbeitsgerät.
Genau diese Verbindung sollte meinen Arbeitsalltag schon kurze Zeit später erneut grundlegend verändern.
Endlich online
Der HP Jornada löste viele Probleme des mobilen Arbeitens. Termine, Kontakte und Notizen hatte ich nun jederzeit griffbereit. Aktuelle Informationen erhielt ich jedoch erst, wenn ich den PDA erneut mit meinem Desktop-PC synchronisierte.
Gleichzeitig begann sich eine zweite Entwicklung abzuzeichnen. Mobiltelefone waren inzwischen weit verbreitet, dienten jedoch fast ausschließlich zum Telefonieren und Versenden von SMS. Einige Geräte verfügten bereits über einen WAP-Browser und eine eigene Internettaste. Wer diese versehentlich betätigte, stellte oft erst mit der nächsten Mobilfunkrechnung fest, dass selbst wenige Minuten Onlinezeit überraschend teuer werden konnten. Das mobile Internet war damals noch eher ein technisches Experiment als ein alltagstaugliches Werkzeug. Für den produktiven Einsatz führte deshalb kaum ein Weg an einem PDA vorbei.
Der Jornada wird zum Online-Gerät
Der Jornada 720 besaß einen integrierten PCMCIA-Steckplatz und ließ sich dadurch um verschiedene Erweiterungskarten ergänzen. Ich nutzte Datenkarten von Nokia und Vodafone, die den PDA direkt mit dem Mobilfunknetz verbanden. Aus einem elektronischen Organizer wurde damit erstmals ein tatsächlich vernetztes mobiles Arbeitsgerät.
Zum ersten Mal konnte ich unterwegs E-Mails abrufen, Informationen recherchieren oder auf Server zugreifen, ohne bis zum nächsten Hotel oder Kundenbüro warten zu müssen. Aus heutiger Sicht erscheinen die damaligen Übertragungsraten zwar verschwindend gering, für mich fühlte sich diese neue Freiheit jedoch wie ein Blick in die Zukunft an.
Geduld gehört dazu
Von einem permanenten Online-Zugang konnte allerdings noch keine Rede sein. Die verfügbaren Bandbreiten reichten meist nur für E-Mails oder einfache Webseiten. Hinzu kam die lückenhafte Mobilfunkversorgung. Gerade auf längeren Bahnfahrten brachen Verbindungen regelmäßig ab. Kaum hatte sich eine Verbindung aufgebaut, verschwand sie oft schon wieder im nächsten Funkloch.
Mobiles Arbeiten bedeutete damals deshalb auch, mit diesen Einschränkungen zu leben. Trotzdem hatte sich etwas Grundlegendes verändert. Zum ersten Mal trug ich nicht nur meine Informationen mit mir herum, sondern konnte sie unterwegs aktualisieren. Genau dieser Schritt vom synchronisierten Datenbestand hin zum ständigen Zugriff auf aktuelle Informationen legte den Grundstein für die Geräte, die kurze Zeit später beide Welten miteinander verbinden sollten: Smartphone und Mobiltelefon wurden zu einem einzigen Begleiter.

Exkurs: Synchronisation – der unsichtbare Held der mobilen Revolution
Eine Datei, ein Computer
Wenn ich heute auf die Entwicklung mobiler Computer zurückblicke, fällt mir auf, dass die eigentliche Revolution nicht in immer kleineren Geräten oder schnelleren Prozessoren lag. Der entscheidende Fortschritt war etwas, das für viele Anwender:innen nahezu unsichtbar blieb: die Synchronisation von Daten.
In den Anfangsjahren der Personal Computer existierten Informationen meist nur an einem einzigen Ort. Dokumente lagen auf der Festplatte des heimischen Computers, Termine wurden im Kalenderprogramm dieses Rechners verwaltet und Kontakte befanden sich in einer lokalen Adressdatenbank. Wer an einem anderen Computer arbeiten wollte, musste Disketten, später CDs oder USB-Sticks mitnehmen und selbst darauf achten, welche Version einer Datei gerade die aktuelle war.
ActiveSync verändert den Alltag
Mit Geräten wie dem HP Jornada änderte sich dieses Prinzip grundlegend. Zum ersten Mal wurde es selbstverständlich, dieselben Informationen auf mehreren Geräten gleichzeitig vorzuhalten. Outlook spielte dabei eine zentrale Rolle. Über Microsoft ActiveSync wurden Termine, Kontakte, Aufgaben und Notizen regelmäßig zwischen Desktop-PC und PDA abgeglichen. Änderte ich einen Termin auf einem Gerät, erschien er nach der nächsten Synchronisation auch auf dem anderen.
Aus heutiger Sicht wirkt dieser Vorgang beinahe selbstverständlich. Damals war er jedoch erstaunlich faszinierend. Zum ersten Mal musste ich wichtige Informationen nicht mehrfach pflegen oder ständig darüber nachdenken, welches Gerät den aktuellsten Datenbestand enthielt. Die Synchronisation übernahm diese Aufgabe für mich.
Natürlich verlief nicht immer alles reibungslos. Wer einmal widersprüchliche Änderungen auf zwei Geräten vorgenommen hatte, lernte schnell die Bedeutung von Synchronisationskonflikten kennen. Dennoch überwog der Nutzen bei Weitem. Erstmals entstand das Gefühl, dass meine Informationen mich begleiten konnten, anstatt an einen bestimmten Computer gebunden zu sein.
Von der Synchronisation zur Cloud
Rückblickend erkenne ich darin den eigentlichen Beginn einer Entwicklung, die bis heute anhält. Damals synchronisierten wir zwei Geräte miteinander. Heute greifen Notebook, Smartphone, Tablet und Webbrowser gleichzeitig auf denselben Datenbestand in der Cloud zu. Das Grundprinzip hat sich jedoch kaum verändert – nur der Ort, an dem die Daten liegen.
Früher galt der Desktop-PC als zentrale Wahrheit. Der PDA war lediglich eine Kopie. Heute ist es genau umgekehrt. Die Cloud bildet den gemeinsamen Datenbestand, und unsere Geräte sind lediglich unterschiedliche Fenster auf dieselben Informationen.
Die eigentliche Revolution
Diese Veränderung erscheint auf den ersten Blick unspektakulär. Tatsächlich hat sie unseren Umgang mit Computern grundlegend verändert. Wir arbeiten längst nicht mehr an einem bestimmten Rechner. Wir arbeiten mit unseren Informationen – unabhängig davon, welches Gerät wir gerade verwenden.
Betrachtet man die Entwicklung der vergangenen drei Jahrzehnte, zeigt sich ein bemerkenswerter Wandel: Zunächst stand der Computer im Mittelpunkt, später die Daten und heute zunehmend die Identität. Moderne Cloud-Dienste sorgen dafür, dass Informationen automatisch synchronisiert werden, während künstliche Intelligenz beginnt, Inhalte zu verstehen, zusammenzufassen und kontextbezogen bereitzustellen. Der eigentliche Wandel besteht deshalb nicht darin, dass Geräte immer leistungsfähiger wurden. Viel entscheidender ist, dass Informationen Schritt für Schritt von einem festen Ort gelöst wurden und uns heute nahezu überall zur Verfügung stehen.
Vom PDA zum Smartphone
Noch zu Beginn der 2000er-Jahre bestand mein mobiles Büro aus mehreren Geräten. Das Notebook übernahm alle anspruchsvollen Aufgaben, der HP Jornada verwaltete Termine, Kontakte und Notizen, das Mobiltelefon diente zum Telefonieren und Versenden von SMS. Für den Internetzugang kam schließlich noch eine Datenkarte hinzu. Jedes Gerät erfüllte seine Aufgabe zuverlässig – gleichzeitig bedeutete jedes weitere Gerät jedoch auch ein zusätzliches Ladegerät, eine weitere Synchronisation und eine weitere Fehlerquelle.
Mit der Zeit wurde immer deutlicher, dass diese Aufteilung keine Zukunft haben würde. Ich wollte nicht länger überlegen müssen, auf welchem Gerät sich eine bestimmte Information befand. Mein Wunsch war ein einziger digitaler Begleiter, der möglichst viele Aufgaben in sich vereinte.
Nicht nur die Geräte mussten zusammenwachsen
Die technischen Voraussetzungen dafür entwickelten sich Schritt für Schritt. Mobiltelefone erhielten Farbdisplays, leistungsfähigere Prozessoren und konnten erstmals E-Mails empfangen. Gleichzeitig wurden PDAs leistungsfähiger und erhielten immer bessere Kommunikationsmöglichkeiten. Die Grenzen zwischen beiden Geräteklassen verschwammen zunehmend.
Mindestens ebenso wichtig war jedoch eine Entwicklung, die deutlich weniger sichtbar war. Die Mobilfunknetze wurden schneller und zuverlässiger, gleichzeitig begannen die Netzbetreiber, ihre Tarifmodelle an die neue Nutzung anzupassen. Anfang der 2000er-Jahre bestanden Mobilfunktarife meist aus unterschiedlichen Modellen für Gespräche im Inland, Ausland oder in verschiedene Netze. Für mobile Daten existierten dagegen kaum alltagstaugliche Angebote. Jede Verbindung wurde bewusst aufgebaut, jede Online-Minute kostete Geld und jeder Datenabruf wollte gut überlegt sein.
Erst mit der Einführung bezahlbarer Datentarife wurde mobiles Internet zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Alltags.
Die Idee setzt sich durch
Microsoft verfolgte diese Entwicklung früh mit Windows CE, Pocket PC und später Windows Mobile. Viele Funktionen, die wir heute ganz selbstverständlich nutzen, waren dort bereits angelegt: E-Mails, Kalender, Kontakte, Office-Dokumente und ein Webbrowser in einem einzigen Gerät.
Aus heutiger Sicht wirken diese Systeme technisch überholt. Dennoch bereiteten sie den Weg für Geräte wie BlackBerry, das iPhone und schließlich Android, die das Smartphone weltweit zum Massenprodukt machten.
Rückblickend faszinierte mich dabei weniger das einzelne Gerät als vielmehr die dahinterstehende Idee. Zum ersten Mal entstand die Vorstellung, dass sämtliche persönlichen Informationen jederzeit und überall verfügbar sein könnten. Die Technik war diesem Anspruch noch nicht vollständig gewachsen, Netze und Tarife ebenfalls nicht. Doch die Richtung war eindeutig.
An iPod, a phone and an Internet communicator
Am 9. Januar 2007 betrat Steve Jobs die Bühne der Macworld Conference in San Francisco und begann seine Produktvorstellung mit einem Satz, der bis heute zu den bekanntesten Momenten der IT-Geschichte gehört: "Today, Apple is going to reinvent the phone." Anschließend kündigte er drei neue Produkte an: "An iPod, a phone and an Internet communicator."
Während das Publikum zunächst glaubte, Jobs stelle tatsächlich drei verschiedene Geräte vor, wiederholte er die Aufzählung mehrfach.
"An iPod… a phone… are you getting it? These are not three separate devices. This is one device." Nach einer kurzen Pause blickte er ins Publikum und fragte mit einem Lächeln: "Do you get it?"
In diesem Moment wurde den Zuschauer:innen klar, dass Apple nicht drei neue Produkte präsentierte, sondern ein einziges Gerät, das all diese Funktionen miteinander vereinte. Der Saal reagierte mit begeistertem Applaus – und rückblickend lässt sich sagen, dass dieser Augenblick den Beginn einer neuen Ära markierte.
Nicht das erste Smartphone
Natürlich war das iPhone nicht das erste Smartphone. Geräte mit Telefonie, E-Mail, Kalender und Internetzugang existierten bereits seit einigen Jahren. Auch Microsoft hatte mit Windows Mobile früh erkannt, dass die Zukunft in der Verschmelzung von PDA und Mobiltelefon lag. Technisch boten viele dieser Geräte sogar Funktionen, die dem ersten iPhone zunächst noch fehlten.
Den entscheidenden Unterschied machte jedoch nicht die Technik, sondern die Benutzererfahrung. Apple entwickelte das Smartphone konsequent aus Sicht der Benutzer:innen. Der kapazitive Multi-Touch-Bildschirm, der Verzicht auf Tastatur und Eingabestift sowie eine konsequent auf Einfachheit ausgelegte Bedienoberfläche machten das Gerät für Millionen Menschen attraktiv.
Kurz darauf folgte Google mit Android und öffnete dieses Konzept für zahlreiche Hersteller. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich ein Wettbewerb, der die mobile Welt nachhaltig verändern sollte.
Zwischen Prestige und Produktivität
Interessant war damals auch die unterschiedliche Wahrnehmung der Geräte in Unternehmen. Im Rahmen eines Projekts sollte ich die Anbindung mobiler Geräte an einen Microsoft-Exchange-Server einrichten. In der Geschäftsleitung kamen plötzlich zwei Smartphone-Welten zusammen: BlackBerry und iPhone.
Ironischerweise erhielt ich den Auftrag, ausschließlich die BlackBerry-Geräte einzurichten. Auf meine Nachfrage erklärte mir der IT-Leiter, dass die offizielle Unternehmenskommunikation weiterhin über BlackBerry laufe. Die iPhones hätten einen ganz anderen Zweck: "Die liegen bei Besprechungen auf dem Tisch." Sie waren weniger Arbeitsgerät als Statussymbol.
Nur wenige Jahre später hatte sich dieses Bild vollständig gewandelt. Das iPhone entwickelte sich vom repräsentativen Begleiter zu einem vollwertigen Werkzeug für den beruflichen Alltag. Der spätere Werbeslogan Hast du kein iPhone, hast du kein iPhone. brachte diesen gesellschaftlichen Wandel auf bemerkenswerte Weise auf den Punkt. Das Smartphone war längst mehr als ein Telefon geworden – es war Ausdruck eines digitalen Lebensstils.
Ein Gerät ersetzt viele
Für mich bedeutete diese Entwicklung weit mehr als die Einführung eines neuen Telefons. Erstmals entstand tatsächlich der Eindruck, dass ein einziges Gerät den PDA, das Mobiltelefon, den MP3-Player, die Kamera, den Webbrowser und zahlreiche weitere Werkzeuge dauerhaft ersetzen könnte.
Rückblickend markiert dieser Moment für mich den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die einige Jahre zuvor mit meinem HP Jornada begonnen hatte. Was damals aus Notebook, PDA, Mobiltelefon und Datenkarte bestand, passte nun in eine Hosentasche. Der Traum vom mobilen Büro war damit weitgehend Realität geworden.

Exkurs: Die beste Kamera ist die, die man dabeihat
Das Dilemma der Generationen
Das Smartphone veränderte nicht nur meinen beruflichen Alltag. Es veränderte auch die Art und Weise, wie wir Erinnerungen festhalten.
Als unsere ältere Tochter 2007 geboren wurde, war Fotografieren noch ein bewusstes Ereignis. Für gute Bilder holte ich meine Spiegelreflexkamera hervor. Videos entstanden mit unserem Sony-DV-Camcorder. Anschließend wurden die Aufnahmen auf den Computer übertragen, bearbeitet, auf CDs oder DVDs archiviert und teilweise mit meinem Canon Pixma sogar professionell bedruckt. Bis heute stehen im Keller zahlreiche beschriftete Datenträger mit den ersten Lebensjahren unserer Tochter. Dank meines eigenen Servers sind die Inhalte inzwischen mehrfach gesichert und längst digitalisiert.
Als unsere zweite Tochter zwei Jahre später zur Welt kam, hatte sich die Technik bereits grundlegend verändert. Inzwischen begleitete uns das Smartphone nahezu überall. Ein kurzer Moment im Garten, die ersten Schritte, ein gemeinsamer Ausflug oder ein lustiger Augenblick beim Abendessen – die Kamera war plötzlich immer griffbereit. Wo ich früher erst die Spiegelreflexkamera auspackte oder den Camcorder holen musste, genügte nun ein Griff in die Hosentasche.
Das führte zu einer amüsanten Diskussion innerhalb unserer Familie. Meine jüngere Tochter beklagt sich bis heute regelmäßig darüber, dass im Keller unzählige CDs, DVDs und DV-Kassetten mit der Aufschrift ihrer großen Schwester liegen. Von ihr existiere so etwas überhaupt nicht.
Natürlich hat sie nicht weniger Fotos oder Videos als ihre Schwester – vermutlich sogar deutlich mehr. Sie befinden sich nur nicht mehr auf optischen Datenträgern, sondern auf Festplatten, in Backups und inzwischen in der Cloud. Die Erinnerungen sind dieselben geblieben. Lediglich ihr Speicherort hat sich verändert.
Meine Frau und das erste iPhone
Noch deutlicher zeigte sich dieser Wandel bei meiner Frau. Seit wir uns kennen, hatte ich immer wieder versucht, sie für digitale Technik zu begeistern. Im Laufe der Jahre richtete ich ihr verschiedene Mobiltelefone ein, übertrug Kontakte und konfigurierte sämtliche Einstellungen. Das Ergebnis war allerdings fast immer dasselbe: Sobald sie das Haus verließ, blieb das Mobiltelefon zu Hause liegen.
Erst als ich ihr kurz vor der Geburt unserer zweiten Tochter mein ausgemustertes iPhone überließ, änderte sich dieses Verhalten schlagartig. Von diesem Zeitpunkt an gehörte das Smartphone selbstverständlich zum Alltag. Seitdem hat sie es – überspitzt formuliert – kaum noch aus der Hand gelegt. Meine Aufgabe besteht inzwischen lediglich darin, alle zwei Jahre das aktuelle Modell einzurichten und das bisherige gegen das neue auszutauschen.
Für mich war das vielleicht der deutlichste Beweis dafür, dass das Smartphone seinen Durchbruch geschafft hatte. Nicht weil es technisch leistungsfähiger war als seine Vorgänger, sondern weil es erstmals Menschen überzeugte, die sich zuvor kaum für Technik interessierten.
Vom Tonträger zur Musiksammlung
Ähnlich verlief die Entwicklung bei meiner Musiksammlung. Über viele Jahre hatte ich Hunderte CDs gesammelt. Heute befinden sich die Originale sorgfältig verstaut im Keller – allerdings gibt es in unserem Haus kaum noch ein Gerät, das sie überhaupt abspielen könnte. Sämtliche Alben habe ich in hoher Qualität digitalisiert und in meine iTunes-Mediathek übernommen. Verglichen mit den heutigen Festplattenkapazitäten beansprucht diese Sammlung inzwischen nur noch einen verschwindend kleinen Teil des verfügbaren Speicherplatzes.
Ironischerweise erlebt die Compact Disc derzeit wieder eine kleine Renaissance. Allerdings kaufen viele Menschen CDs heute nicht mehr, um sie abzuspielen, sondern um sie als physisches Sammlerstück zu besitzen. In einer Zeit, in der Musik nahezu ausschließlich per Streaming verfügbar ist, erhält ausgerechnet der Datenträger selbst wieder einen eigenen Wert.
Das Netbook – ein Computer für jede Gelegenheit
Während Smartphones immer mehr Aufgaben übernahmen, entwickelte sich parallel eine weitere Geräteklasse, die meinen Berufsalltag nachhaltig verändern sollte: das Netbook.
Bis dahin musste ich mich vor jeder Reise entscheiden. Nahm ich mein großes Notebook mit, standen mir ausreichend Leistung für Präsentationen, Softwareinstallationen und virtuelle Testumgebungen zur Verfügung. Gleichzeitig bedeutete dies jedoch mehrere Kilogramm zusätzliches Gepäck. Blieb das Notebook zu Hause, fehlte mir unterwegs häufig genau die Funktion, die ich gerade benötigte.
Mit dem Erscheinen des ASUS Eee PC änderte sich diese Situation schlagartig. Plötzlich gab es einen vollwertigen Computer, der klein und leicht genug war, um ihn ohne großes Nachdenken in jede Tasche zu legen.
Nicht maximale Leistung, sondern maximale Verfügbarkeit
Natürlich musste man Kompromisse eingehen. Das Display war klein, die Tastatur gewöhnungsbedürftig und die Rechenleistung deutlich geringer als bei klassischen Notebooks. Für viele meiner täglichen Aufgaben spielte das jedoch kaum eine Rolle.
E-Mails beantworten, Präsentationen überarbeiten, Schulungsunterlagen lesen oder kleinere Dokumente erstellen – all das erledigte der kleine Rechner zuverlässig. Vor allem aber war er nahezu immer dabei.
Rückblickend markierte das Netbook deshalb einen wichtigen Wendepunkt. Zum ersten Mal stand für mich nicht mehr die maximale Leistung im Vordergrund, sondern die Frage, welchen Computer ich tatsächlich jederzeit dabeihatte. Die leistungsfähigste Hardware nützt wenig, wenn sie auf dem Schreibtisch bleibt.
Nicht jedes Urteil hält der Zeit stand
In meinen Seminaren sage ich heute manchmal, dass ich ein denkbar schlechtes Orakel bin. Wer seine Investitionsentscheidungen nach meinen ersten Einschätzungen neuer Technologien getroffen hätte, wäre vermutlich nicht besonders erfolgreich gewesen.
Das iPhone konnte ich von Anfang an gut einordnen. Es war genau die Verschmelzung von PDA, Mobiltelefon und mobilem Internet, auf die sich die Entwicklung seit Jahren zubewegt hatte. Beim iPad lag ich dagegen gründlich daneben. Mein erster Gedanke war: Ein großes iPhone – wozu soll das gut sein? Ich hielt Tablets zunächst für eine interessante Nische und konnte mir kaum vorstellen, dass daraus einmal eine eigenständige und erfolgreiche Geräteklasse entstehen würde.
Wie falsch diese Einschätzung war, zeigt sich heute. Tablets haben längst ihren festen Platz zwischen Smartphone und Notebook gefunden – nicht als Ersatz für beide Geräte, sondern als eigenständige Plattform mit eigenen Stärken.
Diese Erfahrung hat mich gelehrt, neuen Technologien mit etwas mehr Demut zu begegnen. Nicht jede Innovation erschließt sich im Moment ihrer Vorstellung. Manchmal wird ihr eigentlicher Nutzen erst sichtbar, wenn sich Gewohnheiten, Software und Einsatzszenarien gemeinsam weiterentwickeln.
Eine Idee lebt weiter
Die Netbooks verschwanden nach einigen Jahren wieder vom Markt. Ihre Grundidee hat sich jedoch bis heute erhalten. Geringes Gewicht, lange Akkulaufzeiten, kurze Startzeiten und die Konzentration auf alltägliche Arbeitsaufgaben prägen moderne mobile Computer bis heute.
Für mich führte dieser Gedanke schließlich über die Generation der Ultrabooks zum Microsoft Surface Pro. Das Netbook hatte gezeigt, wie wichtig Mobilität im Alltag sein kann. Die Ultrabooks verbanden diese Mobilität erstmals mit der Leistungsfähigkeit klassischer Notebooks. Das iPad eröffnete gleichzeitig eine neue Form der Bedienung über einen Touchscreen. Im Surface Pro laufen diese Entwicklungen für mich zusammen: Es verbindet die Mobilität eines Netbooks, die Leistung eines Ultrabooks und die Flexibilität eines Tablets in einem einzigen Gerät.
Es vereint die Mobilität, die ich am Eee PC schätzte, mit der Flexibilität eines Tablets und einer Rechenleistung, die früher nur großen Notebooks oder Desktop-PCs vorbehalten war. Heute begleitet mich ein Surface Pro nahezu durch jedes Seminar. Für mich ist es deshalb keine völlig neue Geräteklasse, sondern die konsequente Weiterentwicklung einer Idee, die mich bereits viele Jahre zuvor begeistert hatte: Der beste Computer ist derjenige, den man jederzeit dabeihat.
Das Internet wird selbstverständlich
Als ich meine ersten Seminare hielt, gehörte eine Frage fast immer zur Vorbereitung: Gibt es vor Ort einen Internetzugang?
Heute wirkt diese Frage beinahe kurios. Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre war sie jedoch völlig berechtigt. Viele Schulungsräume verfügten über keinerlei Netzwerkanbindung. Wollte ich Software aktualisieren oder Informationen recherchieren, war ich auf die vorhandene Infrastruktur angewiesen oder musste – sofern überhaupt Mobilfunkempfang vorhanden war – selbst eine Datenverbindung aufbauen.
Nicht nur die Technik stellte dabei eine Herausforderung dar. Auch die Mobilfunktarife waren noch ganz auf das Telefonieren ausgerichtet. Gespräche wurden nach Netzen, Tageszeiten oder Auslandsverbindungen unterschieden. Für mobile Daten existierten dagegen kaum einfache und bezahlbare Angebote. Jede Online-Verbindung wurde bewusst aufgebaut und ebenso bewusst wieder getrennt.
„And that's your job.“
Wie wichtig dieser Punkt war, zeigte sich einige Jahre später bei der Einführung des ersten iPhones. In einem Interview schilderte ein ehemaliger Manager der Deutschen Telekom die Gespräche mit Steve Jobs, nachdem sich die Telekom die exklusive Vermarktung des iPhones in Deutschland gesichert hatte. Jobs machte dabei unmissverständlich deutlich, dass für Apple die Benutzererfahrung nicht am Gerät endete.
Ein Smartphone könne seine Stärken nur ausspielen, wenn auch die Verbindung zum Internet einfach und selbstverständlich funktioniere. Als die Telekom ihre damals äußerst komplexe Tariflandschaft erläuterte, soll Jobs sie unterbrochen haben. Er habe die bestehenden Tarife besser gekannt als viele der anwesenden Mitarbeiter:innen und sie Punkt für Punkt auseinandergenommen. Am Ende soll er nur einen Satz gesagt haben: „And that's your job.“
Ob jedes Detail dieser Anekdote wörtlich überliefert wurde, lässt sich heute kaum noch überprüfen. Die dahinterstehende Botschaft trifft den Wandel dieser Zeit jedoch sehr genau. Nicht nur Geräte mussten einfacher werden. Auch Netze und Tarife mussten sich an den Menschen orientieren und nicht umgekehrt.
Wenn Downloads zu schnell sind
Eine meiner eindrucksvollsten Erinnerungen an diese Entwicklung stammt aus einem Seminar an der Technischen Universität Darmstadt. Wie so oft fragte ich den zuständigen Administrator vor Seminarbeginn, ob im Schulungsraum ein Internetzugang zur Verfügung stünde. Er zeigte wortlos auf ein loses Ethernet-Kabel, das bereits auf meinem Dozententisch lag. Ich schloss mein Notebook an – und alles funktionierte sofort.
Vor Seminarbeginn wollte ich noch schnell ein aktuelles Windows-Abbild von den Microsoft-Servern herunterladen. Die ISO-Datei war mehrere Gigabyte groß und ich rechnete damit, dass der Download einige Zeit dauern würde.
Ich klickte auf den Download-Link. Das Fenster erschien kurz – und verschwand sofort wieder.
Ich war überzeugt, dass der Download fehlgeschlagen war und startete ihn erneut. Und noch einmal.
Erst als ich nachfragte, erklärte man mir, dass ich direkt am Hochschulnetz der TU Darmstadt hing, das mit einer Gigabit-Anbindung an den DE-CIX in Frankfurt verbunden war. Für mich war eine derart hohe Geschwindigkeit bis dahin schlicht unvorstellbar.
Die Downloads waren also gar nicht abgebrochen. Sie waren einfach bereits abgeschlossen. Am Ende befand sich dieselbe ISO-Datei mehrfach auf meiner Festplatte.
Das Netz verschwindet
Wenn ich heute an diese Situation zurückdenke, wirkt sie beinahe unwirklich. Gigabit-Anschlüsse gehören inzwischen in vielen Unternehmen und Privathaushalten zum Alltag. Damals führte mir dieses Erlebnis jedoch eindrucksvoll vor Augen, wie sehr sich meine Erwartungen an Geschwindigkeit und Verfügbarkeit bereits verändert hatten.
Mit DSL, WLAN und später breitbandigen Mobilfunknetzen verschwand das Internet allmählich aus unserem Bewusstsein. Hotels warben mit kostenlosem WLAN, Flughäfen richteten Hotspots ein und auch Unternehmen betrachteten eine stabile Netzwerkverbindung zunehmend als Selbstverständlichkeit.
Irgendwann stellte sich nicht mehr die Frage, ob ein Internetzugang vorhanden war, sondern nur noch, wie man sich mit dem Netzwerk verband.
Diese Entwicklung veränderte den Arbeitsalltag grundlegend. Software musste nicht mehr auf Datenträgern mitgeführt werden. Updates wurden unmittelbar installiert, E-Mails trafen nahezu in Echtzeit ein und Dokumente ließen sich jederzeit austauschen.
Entfernungen verlieren an Bedeutung
Mit etwas zeitlichem Abstand wurde mir noch etwas anderes bewusst. Über viele Jahre hinweg war der Zugang zu Informationen eng an einen bestimmten Ort gebunden. Wollte ich etwas erfahren oder erledigen, musste ich selbst dort sein. Das Internet begann, diese Bindung Schritt für Schritt aufzulösen. Informationen wurden unabhängig vom eigenen Standort verfügbar – und mit ihnen auch die Möglichkeit, mit anderen zusammenzuarbeiten oder sie unmittelbar zu unterstützen.
Das erlebe ich bis heute immer wieder im Familienalltag. Die Begeisterung für Technik scheint sich zumindest bei meiner jüngeren Tochter fortzusetzen. Wenn sie ein technisches Problem an ihrem Computer hat, musste ich ihr früher am Telefon möglichst genau erklären, welche Kabel sie verbinden oder welche Einstellungen sie ändern sollte. Oft blieb am Ende nur der Satz: „Warte, bis ich wieder zu Hause bin.“
Heute genügt ein Videoanruf oder eine Remotesitzung, und wir lösen das Problem gemeinsam, obwohl uns viele Kilometer trennen.
Dasselbe gilt für den Zugang zu Informationen. Immer häufiger muss ich nicht mehr selbst an einem Ort sein, um daran teilzuhaben. Liveübertragungen, Videokonferenzen, virtuelle Rundgänge oder gemeinsam genutzte Arbeitsbereiche machen Entfernungen in vielen Situationen zweitrangig. Das Internet verbindet längst nicht mehr nur Computer – es verbindet Menschen, Wissen und gemeinsame Erfahrungen.
Der Computer wird zur Nebensache
Wenn ich heute auf diese Entwicklung zurückblicke, wird mir bewusst, wie sehr sich mein Blick auf Computer im Laufe der Jahre verändert hat.
Anfang der 1990er-Jahre stand die Hardware im Mittelpunkt. Jeder schnellere Prozessor, jede größere Festplatte und jeder zusätzliche Megabyte Arbeitsspeicher eröffneten neue Möglichkeiten. Später kamen Notebooks hinzu, anschließend PDAs, Mobiltelefone, Netbooks, Tablets und Smartphones. Jede neue Gerätegeneration versprach mehr Leistung, mehr Mobilität und mehr Komfort.
Lange Zeit stellte ich mir vor jeder Reise dieselben Fragen: Welchen Computer nehme ich mit? Reicht der Speicherplatz aus? Benötige ich ein Netzwerkkabel, einen Adapter oder vielleicht sogar einen externen Datenträger? Ein beträchtlicher Teil meiner Vorbereitung bestand darin, die passende Technik zusammenzustellen. Heute beschäftigen mich diese Fragen kaum noch.
Arbeiten ohne Ortsgrenzen
Viele meiner Daten liegen längst nicht mehr auf einem einzelnen Gerät, sondern stehen dort zur Verfügung, wo ich sie gerade benötige.
Während ich dieses Kapitel über die Entwicklung mobiler Computer überarbeite, wird mir dieser Wandel besonders bewusst. Einen Teil des Textes habe ich an meinem Schreibtisch im Dachgeschoss unseres Hauses geschrieben. Die ersten Gedanken dazu entstanden jedoch bereits einige Tage zuvor auf meinem iPad während einer Bahnfahrt entlang des Rheins – irgendwo auf Höhe der Loreley.
Zwischen beiden Arbeitsorten liegen mehr als zweihundert Kilometer. Dennoch habe ich an derselben Datei gearbeitet, mit denselben Notizen und demselben Informationsstand. Ich musste weder Dokumente kopieren noch überlegen, welche Version gerade die aktuelle war.
Vor wenigen Jahrzehnten wäre ein solcher Arbeitsablauf kaum vorstellbar gewesen. Dokumente lagen auf einem einzelnen Computer oder mussten mühsam per Diskette, CD oder später per USB-Stick übertragen werden. Heute begleitet mich meine Arbeitsumgebung nahezu selbstverständlich – unabhängig davon, ob ich im heimischen Büro, im Seminarraum, im Zug oder im Hotel arbeite.
Die Technik rückt in den Hintergrund
Vielleicht besteht genau darin die größte Veränderung dieser Entwicklung. Der Computer ist nicht verschwunden – im Gegenteil. Noch nie waren wir von so vielen digitalen Geräten umgeben wie heute. Gleichzeitig ist ihre Bedeutung als einzelnes Gerät immer weiter in den Hintergrund gerückt.
Entscheidend ist längst nicht mehr, an welchem Computer ich arbeite. Entscheidend ist, dass ich jederzeit auf dieselben Informationen zugreifen und meine Arbeit ohne Unterbrechung fortsetzen kann. Der Arbeitsplatz ist nicht länger an einen festen Ort oder ein bestimmtes Gerät gebunden. Er begleitet uns dorthin, wo wir arbeiten möchten.
Rückblickend erscheint mir die Entwicklung vom stationären Personal Computer über Notebook und Smartphone bis hin zu den heutigen mobilen Arbeitsgeräten deshalb weit mehr als eine Folge technischer Innovationen. Sie hat unsere Vorstellung davon verändert, wo wir arbeiten, wie wir kommunizieren und wie wir Wissen miteinander teilen.
Mehr als nur Computer
Beim Schreiben dieses Kapitels ist mir noch etwas anderes bewusst geworden. Über viele Jahre hinweg stand für mich die Technik selbst im Mittelpunkt: Prozessoren, Betriebssysteme, Netzwerke oder neue Gerätegenerationen. Heute interessieren mich diese Themen noch immer – beruflich sogar mehr denn je. Gleichzeitig sind sie für meinen Alltag weniger entscheidend geworden.
Was wirklich zählt, sind nicht mehr die Geräte, sondern die Möglichkeiten, die sie eröffnen. Ob ich unterwegs meiner Tochter per Videoanruf bei einem Computerproblem helfe, ein Seminar im Zug vorbereite oder von einem Hotelzimmer aus auf dieselben Unterlagen zugreife wie zu Hause – im Mittelpunkt stehen längst nicht mehr die Computer selbst, sondern die Menschen, die sie miteinander verbinden.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte dieses Kapitels. Der Computer ist nicht verschwunden. Er ist so selbstverständlich geworden, dass wir ihn kaum noch wahrnehmen. Erst dadurch konnte er zu dem werden, was er heute ist: ein unauffälliger Begleiter im Hintergrund unseres Alltags.
Der Computer verschwindet im Hintergrund
Als ich das vorherige Kapitel mit der Erkenntnis beendete, dass der Computer zunehmend zur Nebensache geworden war, musste ich an ein Ereignis aus dem Jahr 2005 denken. Damals war das genaue Gegenteil der Fall.
Über eine Kommilitonin hatte ich ihren Vater kennengelernt, den damaligen Sicherheitschef des Dortmunder Hauptbahnhofs. Hin und wieder half ich ihm bei kleineren Computerproblemen. Eines Tages klingelte während meiner Arbeit an der Universität plötzlich mein Mobiltelefon. Am anderen Ende der Leitung herrschte ungewöhnliche Hektik.
Im Stellwerk des Hauptbahnhofs war der Rechner ausgefallen, der sämtliche Zugzielanzeiger an den Bahnsteigen steuerte.
Heute würde man vermutlich erwarten, dass ein solches System redundant ausgelegt ist und automatisch auf einen zweiten Server umschaltet. Damals sah die Realität anders aus. Ein einzelner Computer bildete das Herzstück des gesamten Informationssystems. Von dort führten serielle Leitungen zu den Anzeigetafeln aller Bahnsteige. Als dessen Festplatte ausfiel, verstummten praktisch sämtliche Zugzielanzeigen des Bahnhofs. Erschwerend kam hinzu, dass die Herstellerfirma der Software längst nicht mehr existierte und damit auch niemand mehr zur Verfügung stand, der das System hätte warten oder weiterentwickeln können.
Improvisation statt Handbuch
Ich schaute zu Christian Ruckert hinüber. Viel überlegen mussten wir nicht. Wenige Minuten später saßen wir bereits im Auto auf dem Weg zum Dortmunder Hauptbahnhof.
Dort angekommen, führte uns das Sicherheitsteam hinauf in den Stellwerksturm. Dort befand sich auch der Rechner, der die Zugzielanzeigen des Hauptbahnhofs steuerte. Schnell wurde deutlich, dass an eine einfache Reparatur nicht zu denken war. Der Computer ließ sich nicht mehr starten, und die ursprüngliche Software half uns ebenfalls nicht weiter.
Unsere wichtigste Arbeitsgrundlage war schließlich ein neuer Windows-PC und ein altes Codebuch mit den Telnet-Befehlen, über die sich die einzelnen Zugzielanzeigen direkt ansprechen ließen. Viel mehr hatten wir zunächst nicht.
Damit begann eine der ungewöhnlichsten Nachtschichten meines Berufslebens.
Drei Tage Ausnahmezustand
Was nun folgte, war kein klassischer Reparatureinsatz. Da die ursprüngliche Software nicht mehr zur Verfügung stand, mussten wir uns Schritt für Schritt einen eigenen Weg erarbeiten. Unsere einzige verlässliche Grundlage waren die Telnet-Befehle aus dem alten Codebuch.
Erste Nacht – Die Anzeigen erwachen wieder
In der ersten Nacht ging es zunächst darum, die Anzeigetafeln überhaupt wieder gezielt ansprechen zu können. Für jeden einzelnen Zug mussten wir die passenden Steuerbefehle ermitteln und daraus eine vollständige Befehlszeile erzeugen. Diese sammelten wir nach und nach in einer einfachen Textdatei.
Ich erinnere mich noch gut an den Funkverkehr zwischen Stellwerk und Bahnsteig.
Christian rief aus dem Raum: "Jetzt müsste auf Gleis 16 der ICE nach Frankfurt angezeigt werden."
Ich stand auf dem Balkon oben am Stellwerk und gab die Information über Funk an das Sicherheitspersonal auf dem Bahnsteig weiter. Kurze Zeit später kam die Rückmeldung: "Nein, dort steht noch ein InterCity."
Also wurde der Befehl angepasst und der nächste Versuch gestartet. Stunde um Stunde arbeiteten wir uns auf diese Weise voran – Gleis für Gleis, Anzeige für Anzeige.
Gegen Ende der ersten Nacht funktionierten die wichtigsten Fernverkehrsverbindungen wieder. Die Mitarbeiter:innen, die auch für die Bahnsteigdurchsagen verantwortlich waren, konnte die vorbereiteten Befehle nun per Copy-and-Paste in die Telnet-Sitzung übernehmen und so die wichtigsten Zugzielanzeigen wieder aktualisieren. Für einen regulären Betrieb war diese Lösung alles andere als komfortabel, aber sie funktionierte.
Zweite Nacht – Aus Befehlen wird eine Anwendung
In der zweiten Nacht entwickelte Christian darauf aufbauend eine kleine grafische Oberfläche. Sie orientierte sich bewusst am Erscheinungsbild der bekannten blauen Bahn-Anzeigetafeln und erleichterte die Bedienung erheblich. Aus einer Sammlung einzelner Befehlszeilen war inzwischen eine kleine Anwendung geworden.
Dritte Nacht – Die Daten kommen automatisch
In der dritten Nacht gelang schließlich der entscheidende Schritt. Die Software wurde an das Bahninformationssystem angebunden und konnte die aktuellen Zugdaten automatisch übernehmen. Manuelle Korrekturen waren zwar weiterhin möglich, doch die Informationen mussten nun nicht mehr einzeln eingegeben werden. Aus einer improvisierten Notlösung war innerhalb von nur drei Tagen wieder ein funktionierendes Informationssystem entstanden.
Pizza? Nein – McDonald's im Polizeiwagen
So sehr mir die technische Herausforderung in Erinnerung geblieben ist, so präsent sind bis heute auch einige der kleinen Momente dieser drei Tage. Mitten in der Nacht brachte uns die Bahnpolizei das Abendessen von McDonald's direkt hinauf in den Stellwerksturm. Zwischen Kabeln, Bildschirmen, Funkgeräten und den laufenden Arbeiten wirkte diese Szene völlig surreal. Gerade deshalb ist sie mir bis heute im Gedächtnis geblieben.
Zum Abschluss bedankte sich der Bahnhofschef persönlich bei uns. Neben einem gemeinsamen Essen erhielten wir eine Einladung zu einer besonderen Fahrt im Führerstand eines ICE von Dortmund nach Mainz – entlang der Rheinstrecke.
Reich geworden sind wir durch diesen Einsatz nicht. Geblieben ist jedoch etwas Wertvolleres: die Erinnerung an ein außergewöhnliches Projekt, bei dem Improvisation, Teamarbeit und eine große Portion Begeisterung mehr bewirkten als jedes Handbuch.
Vom Computer zur Information
Nur wenige Monate später wurden im Rahmen der Vorbereitungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 die alten Bahnsteiganzeigen durch moderne digitale Systeme ersetzt. Vermutlich verschwand damit auch unsere improvisierte Software wieder.
Geblieben ist für mich jedoch eine Erkenntnis, die weit über diesen Einsatz hinausgeht. Damals hing der Informationsfluss eines der größten Bahnhöfe Deutschlands von einem einzigen Computer ab. Fiel dessen Festplatte aus, verschwanden die aktuellen Zugzielanzeigen. Die Information war unmittelbar an ein einzelnes System gebunden.
Heute sieht dieselbe Welt völlig anders aus. Fahrgastinformationen erscheinen gleichzeitig auf Bahnsteiganzeigen, Smartphones, Smartwatches, Navigationssystemen, Webseiten und in den Apps der Verkehrsunternehmen. Hinter den Kulissen arbeiten zahlreiche Systeme zusammen und tauschen ihre Daten kontinuierlich aus. Fällt ein einzelner Server aus, übernehmen andere seine Aufgaben – im Idealfall, ohne dass Reisende davon überhaupt etwas bemerken.
Für mich markiert diese Geschichte den Übergang zwischen zwei Epochen. Die erste war geprägt von einzelnen Computern, die jeweils eine klar definierte Aufgabe erfüllten. In der zweiten rückte nicht mehr der Computer selbst in den Mittelpunkt, sondern die Information. Sie ist nicht länger an ein bestimmtes Gerät gebunden, sondern steht gleichzeitig überall dort zur Verfügung, wo sie benötigt wird.
Genau dieser Wandel prägt unseren Alltag bis heute. Die Qualität eines Systems bemisst sich längst nicht mehr an der Leistungsfähigkeit eines einzelnen Computers. Entscheidend ist vielmehr, dass Informationen zuverlässig, aktuell und unabhängig vom verwendeten Gerät verfügbar sind.
Informationen kennen keinen Ort mehr
Die Geschichte aus dem Dortmunder Hauptbahnhof hat mir eines besonders deutlich vor Augen geführt: Über viele Jahre hinweg waren Informationen untrennbar mit einem bestimmten Computer verbunden. Wer auf sie zugreifen wollte, musste zu diesem Computer gelangen oder sie von dort übertragen.
Heute denken wir darüber kaum noch nach. Informationen besitzen keinen festen Aufenthaltsort mehr. Sie stehen dort zur Verfügung, wo sie gerade benötigt werden – unabhängig davon, ob wir mit einem Notebook, Smartphone, Tablet oder einem anderen Endgerät arbeiten.
Diese Entwicklung hat unseren Arbeitsalltag grundlegend verändert. Dokumente liegen nicht mehr ausschließlich auf einem Büro-PC, Fotos nicht mehr nur auf einer heimischen Festplatte und E-Mails nicht mehr auf einem einzelnen Server im Unternehmen. Stattdessen greifen wir von nahezu jedem Ort auf dieselben Informationen zu und arbeiten häufig sogar gleichzeitig an denselben Inhalten.
Entscheidend ist dabei nicht mehr, wo sich eine Information physisch befindet. Entscheidend ist, dass sie zuverlässig verfügbar ist, wenn Menschen sie benötigen. Der Ort, an dem Daten gespeichert werden, tritt immer stärker in den Hintergrund. Im Mittelpunkt stehen ihre Verfügbarkeit, ihre Aktualität und die Möglichkeit, sie gemeinsam zu nutzen.
Mit diesem Perspektivwechsel veränderte sich nicht nur die Technik. Er veränderte auch die Art, wie wir zusammenarbeiten. Informationen folgen heute nicht mehr einem einzelnen Computer – sie begleiten die Menschen, die mit ihnen arbeiten.
Microsoft 365 – Der Arbeitsplatz wird zum Dienst
Als ich meine ersten Computer in Betrieb nahm, war der Arbeitsplatz untrennbar mit einem bestimmten Gerät verbunden. Programme wurden von Disketten oder CDs installiert, Dokumente lagen auf der lokalen Festplatte und E-Mails befanden sich entweder auf dem eigenen Computer oder auf einem Mailserver im Unternehmen. Wer an einem anderen Arbeitsplatz weiterarbeiten wollte, musste Dateien kopieren oder gleich den gesamten Rechner mitnehmen.
Mit Notebooks, PDAs und später VPN-Verbindungen begann sich dieses Prinzip langsam zu verändern. Kalender und Kontakte ließen sich erstmals synchronisieren, und der Zugriff auf Unternehmensnetzwerke war auch außerhalb des Büros möglich. Dennoch blieb der Computer das Zentrum des Arbeitsalltags.
Auch mein eigenes Arbeitsumfeld spiegelte diese Entwicklung wider. Über viele Jahre betrieb ich zu Hause eine kleine Serverlandschaft. Zunächst standen die Rechner physisch im Keller, später wurden sie virtualisiert. Zeitweise liefen dort ein Domänencontroller, ein Exchange Server, ein SharePoint Server und ein SQL Server – genau die Komponenten, die auch in vielen Unternehmen zum Einsatz kamen.
Für einen Privathaushalt war eine solche Infrastruktur natürlich weit überdimensioniert. Für mich gehörte sie jedoch zum Beruf. Hier bereitete ich Seminare vor, testete neue Funktionen, spielte Updates ein und konnte Kundenszenarien realitätsnah nachstellen. Wer Administrator:innen schulen möchte, muss viele Dinge selbst ausprobiert haben.
Die Cloud zieht ein
Im Jahr 2013 begann ich, schrittweise auf die damals noch jungen Online-Dienste von Microsoft umzusteigen. Anfangs war ich durchaus skeptisch. Schließlich hatte ich gelernt, Server selbst zu installieren, zu konfigurieren und zu betreiben. Genau das gehörte über viele Jahre zu meinem beruflichen Alltag.
Doch mit jedem Dienst, der in die Cloud wechselte, verschwand ein weiterer Server aus meinem Keller. Exchange, SharePoint und später weitere Dienste mussten nicht mehr auf eigener Hardware betrieben werden. Microsoft übernahm Wartung, Updates und Hochverfügbarkeit. Ich konnte mich zunehmend auf die Inhalte konzentrieren, anstatt Zeit in den Betrieb der Infrastruktur zu investieren.
Rückblickend war das für mich einer der größten Umbrüche meiner beruflichen Laufbahn. Die Server verschwanden nicht – sie wechselten lediglich ihren Standort.
Von Anwendungen zu Informationen
Mit Microsoft 365 veränderte sich jedoch weit mehr als der Ort, an dem Server betrieben werden. Nicht mehr der einzelne Computer bildet den Mittelpunkt des Arbeitsplatzes, sondern die gesamte Arbeitsumgebung. E-Mails, Dokumente, Besprechungen, Aufgaben und Chats werden als miteinander vernetzte Dienste bereitgestellt und stehen unabhängig vom verwendeten Endgerät zur Verfügung. Ob ich im Büro arbeite, im Zug mein Notebook öffne oder unterwegs auf mein Smartphone schaue – ich greife stets auf dieselben Informationen zu.
Dabei handelt es sich längst nicht mehr um einzelne Anwendungen. Exchange Online, SharePoint Online, OneDrive und Microsoft Teams bilden gemeinsam eine Plattform, deren Dienste kontinuierlich Informationen miteinander austauschen. Eine Datei in SharePoint ist heute nicht mehr nur ein Dokument. Sie kann gleichzeitig Bestandteil einer Teams-Unterhaltung, einer Planner-Aufgabe, einer Microsoft-Loop-Komponente oder einer Copilot-Unterhaltung sein. Die Information existiert nur einmal und wird in unterschiedlichen Zusammenhängen genutzt.
Ein neuer Blick auf die IT
Damit hat sich auch mein Blick auf die IT grundlegend verändert. Über viele Jahre bestand meine Aufgabe darin zu verstehen und zu vermitteln, wie Systeme miteinander kommunizieren. Netzwerke, Protokolle, Serverdienste und Schnittstellen bildeten das Fundament moderner IT-Infrastrukturen – und dieses Wissen ist bis heute unverzichtbar.
Im Cloud-Zeitalter rückt jedoch zunehmend eine andere Fragestellung in den Mittelpunkt: Wie arbeiten Informationen zusammen?
Nicht mehr allein die Verbindung zwischen zwei Servern entscheidet über den Erfolg einer Lösung. Ebenso wichtig sind heute Identitäten, Berechtigungen, Metadaten und die Beziehungen zwischen den Informationen selbst. Erst durch diese Verknüpfungen entsteht eine Arbeitsumgebung, in der Dienste intelligent zusammenarbeiten und Informationen im richtigen Kontext bereitstellen.
Wer moderne IT verstehen möchte, muss deshalb nicht mehr nur wissen, wie Systeme miteinander kommunizieren. Entscheidend ist vor allem zu verstehen, wie Informationen strukturiert, miteinander verknüpft und gemeinsam genutzt werden.
Mein Arbeitsplatz heute
Diese Entwicklung hat auch meinen Berufsalltag nachhaltig verändert. Früher begann die Vorbereitung eines Seminars häufig mit der Installation oder Aktualisierung von Software auf meinem Notebook oder auf den Servern im Keller. Heute melde ich mich an meinem Microsoft-Konto an. Wenige Augenblicke später stehen Präsentationen, Seminarunterlagen, Labordateien, Termine und Notizen automatisch zur Verfügung – unabhängig davon, an welchem Gerät ich arbeite.
Auch die Art, wie ich Inhalte erstelle, hat sich verändert. Copilot unterstützt mich heute beispielsweise bei der Ausarbeitung von Präsentationen, der Strukturierung von Handouts oder der Formulierung erster Entwürfe. Die eigentlichen Inhalte entstehen weiterhin aus meiner Erfahrung als Trainer, doch viele zeitaufwendige Routineaufgaben lassen sich deutlich effizienter erledigen. Dadurch bleibt mehr Zeit für das Wesentliche: die fachliche Auseinandersetzung mit neuen Themen und die didaktische Aufbereitung für meine Seminare.
Was Anfang der 2000er-Jahre kaum vorstellbar gewesen wäre, ist heute selbstverständlich geworden. Der einzelne Computer ist austauschbar. Entscheidend ist nicht mehr, an welchem Gerät ich arbeite, sondern dass mir jederzeit dieselbe Arbeitsumgebung, dieselben Informationen und zunehmend auch intelligente Unterstützung zur Verfügung stehen.
Zusammenarbeit mit KI
Mit der Verlagerung von Anwendungen und Daten in die Cloud war die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen. In den vergangenen Jahren hat sich ein weiterer Wandel abgezeichnet, der meinen Berufsalltag inzwischen ebenso deutlich verändert: Künstliche Intelligenz.
Copilot gehört heute für mich zu den Werkzeugen, die ich regelmäßig nutze. Er unterstützt mich bei der Zusammenfassung von Inhalten, beim Erstellen von Handouts, bei der Formulierung erster Entwürfe oder dabei, komplexe Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Das spart Zeit, ersetzt aber weder meine Erfahrung als Trainer noch die fachliche Verantwortung für die Inhalte. Am Ende entscheide immer noch ich, was richtig, verständlich und didaktisch sinnvoll ist.
Die Diskussionen rund um Künstliche Intelligenz erinnern mich dabei an viele frühere Wendepunkte der IT. Kaum eine neue Technologie wurde ohne Skepsis eingeführt. Als das Internet Einzug hielt, wurde vor den Risiken gewarnt. Als Smartphones den Alltag eroberten, galten sie für viele als überflüssige Spielerei. Beim Wechsel in die Cloud wollten zahlreiche Unternehmen ihre Daten keinesfalls außerhalb des eigenen Serverraums speichern. Und schon deutlich früher wurde bezweifelt, ob grafische Benutzeroberflächen oder Windows-basierte Netzwerke den bewährten Arbeitsweisen tatsächlich überlegen seien.
Rückblickend zeigt sich ein vertrautes Muster. Neue Technologien stellen bestehende Arbeitsweisen infrage und lösen damit verständlicherweise Unsicherheit aus. Manche Bedenken erweisen sich als berechtigt und führen zu wichtigen Verbesserungen. Datenschutz, IT-Sicherheit oder die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern sind Themen, die insbesondere heute ernst genommen werden müssen. Andere Befürchtungen verlieren dagegen mit wachsender Erfahrung an Bedeutung oder lösen sich vollständig auf.
Genau deshalb begegne ich auch der aktuellen Entwicklung mit einer Mischung aus Neugier und Gelassenheit. Künstliche Intelligenz ist weder ein Allheilmittel noch eine Bedrohung für jede Form menschlicher Arbeit. Sie ist ein weiteres Werkzeug, das sinnvoll eingesetzt werden muss. Wie bei jeder Technologie entscheidet letztlich nicht die Technik selbst über ihren Nutzen, sondern die Menschen, die sie verantwortungsvoll einsetzen.
Vielleicht ist gerade das eine der wichtigsten Erkenntnisse aus mehr als vier Jahrzehnten in der IT: Nicht jede Neuerung verändert die Welt. Aber jede große Veränderung beginnt mit einer Neuerung, der zunächst viele Menschen skeptisch gegenüberstehen.
Edmonton ist nur noch einen Mausklick entfernt
Als ich meine ersten Computer kennenlernte, war internationale Kommunikation etwas Besonderes. Briefe waren tagelang unterwegs, Telefongespräche ins Ausland kosteten ein kleines Vermögen und persönliche Begegnungen mussten lange im Voraus geplant werden.
Heute ist das kaum noch vorstellbar. Meine Frau telefoniert regelmäßig per Videokonferenz mit einer guten Freundin in Edmonton, Kanada. Bild- und Tonqualität unterscheiden sich kaum von einem Gespräch innerhalb Deutschlands, zusätzliche Kosten entstehen praktisch nicht und eine technische Vorbereitung ist nicht erforderlich. Wenn beide Zeit haben, genügt ein kurzer Anruf – lediglich die Zeitverschiebung muss berücksichtigt werden.
Auch andere Kontakte profitieren von dieser Selbstverständlichkeit. Vor Kurzem gratulierte ich einem Bekannten aus Kanada über Facebook zum Geburtstag. Bereits wenige Minuten später erhielt ich seine Antwort. Was früher Tage oder sogar Wochen gedauert hätte, geschieht heute nahezu in Echtzeit.
Weltweite Kommunikation ist damit zu einem selbstverständlichen Bestandteil unseres Alltags geworden. Die Technik rückt dabei immer stärker in den Hintergrund. Im Mittelpunkt stehen die Menschen und ihre Gespräche – unabhängig davon, auf welchem Kontinent sie sich gerade befinden.
Aus alten Fotos werden neue Begegnungen
Digitale Kommunikation überwindet heute jedoch nicht nur räumliche Entfernungen, sondern manchmal auch viele Jahre. Im Keller fanden sich nicht nur ausrangierte Computer und längst vergessene Technik. Zwischen den Kartons fiel mir auch ein Ordner mit Negativen und Fotos aus meiner Schulzeit und den ersten Jahren danach in die Hände. Jahrzehntelang hatten die Aufnahmen dort unbeachtet gelegen. Eigentlich wollte ich sie nur digitalisieren, bevor sie endgültig verloren gingen.
Doch mit jedem digitalisierten Bild wurden auch Erinnerungen wieder lebendig. Über soziale Netzwerke fand ich ehemalige Mitschüler:innen und Wegbegleiter:innen wieder, verschickte alte Fotos und kam nach Jahrzehnten erneut mit manchen von ihnen ins Gespräch. Oft genügte ein einziges Bild, um gemeinsame Erlebnisse wieder präsent werden zu lassen.
Dabei wurde mir bewusst, dass digitale Kommunikation weit mehr ist als der Austausch von Informationen. Sie verbindet nicht nur Menschen an unterschiedlichen Orten, sondern manchmal auch verschiedene Abschnitte ihres Lebens. Erinnerungen, die jahrzehntelang in einer Schublade gelegen haben, werden plötzlich zum Anlass für neue Begegnungen.
Weltweite Kommunikation ist selbstverständlich
Wenn ich auf die vergangenen vierzig Jahre zurückblicke, fasziniert mich vor allem eines: Nicht die Geschwindigkeit der Computer hat meinen Alltag am stärksten verändert. Es ist die Selbstverständlichkeit, mit der wir heute kommunizieren.
Eine Videokonferenz mit Teilnehmer:innen aus ganz Deutschland, ein Gespräch mit einer Freundin in Kanada, die gemeinsame Bearbeitung eines Dokuments oder ein kurzer Geburtstagsgruß über Facebook – all das gehört heute ganz selbstverständlich zum Alltag. Kaum jemand denkt noch darüber nach, welche technische Infrastruktur im Hintergrund dafür notwendig ist.
Gerade darin liegt für mich der eigentliche Erfolg der Informationstechnik. Sie ist längst kein Selbstzweck mehr. Computer, Netzwerke und Cloud-Dienste treten immer weiter in den Hintergrund und werden zu einem selbstverständlichen Werkzeug, das Menschen miteinander verbindet.
Wenn ich an meinen ersten Heimcomputer zurückdenke, hätte ich mir diese Welt nicht vorstellen können. Damals war jeder neue Computer, jedes Modem und jede Netzwerkverbindung ein kleines Abenteuer. Heute sprechen wir mit Menschen auf anderen Kontinenten, teilen Wissen in Echtzeit und arbeiten gemeinsam an denselben Dokumenten – oft, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, wie all das technisch möglich ist.
Vielleicht ist genau das der größte Wandel, den ich in den vergangenen Jahrzehnten erlebt habe: Nicht die Computer sind wichtiger geworden. Sie sind im besten Sinne unsichtbar geworden. Im Mittelpunkt stehen heute die Menschen, ihre Ideen und ihre Zusammenarbeit.
Epilog: Was morgen wohl im Keller liegen wird
Der ICE rollt mit fünfundvierzig Minuten Verspätung langsam in den Dortmunder Hauptbahnhof ein. Bereits kurz vor Mainz, wo ich eingestiegen bin, war die Klimaanlage ausgefallen. Je näher wir Dortmund kommen, desto wärmer wird es im Wagen. Auch das gehört zur Technik: Sie ist beeindruckend leistungsfähig, aber nicht unfehlbar.
Langsam passieren wir das Stellwerk unterhalb des Dortmunder U. Unwillkürlich wandern meine Gedanken zwanzig Jahre zurück. Dort oben auf dem Balkon stand ich damals gemeinsam mit Christian und beobachtete den Bahnsteig, während wir versuchten, die Zugzielanzeigen wieder zum Leben zu erwecken.
Heute sitze ich in einem Hochgeschwindigkeitszug und warte auf die Ankunft. Vorsorglich habe ich bereits mit meinem iPhone die Klimaanlage meines Autos eingeschaltet. Wenn ich den Bahnhof verlasse, wird mich ein angenehm gekühlter Innenraum erwarten. Zwischen diesen beiden Momenten liegen nur zwanzig Jahre – und doch fühlt es sich an, als lägen technische Welten dazwischen.
Technik wird selbstverständlich
In Köln und Düsseldorf hat sich der Wagen bereits deutlich geleert. Viele Fahrgäste haben vor dem Aussteigen ihre Notebooks zugeklappt, Tablets verstaut und Smartphones eingesteckt. Niemand schenkt den Geräten besondere Aufmerksamkeit. Sie sind heute das, was früher Kugelschreiber, Notizblock oder Aktentasche waren – alltägliche Werkzeuge, über die niemand mehr nachdenkt.
Ich blicke ihnen nach und muss an unseren Keller denken. Dort stehen sie noch immer: alte Computer, Monitore, Modems, Netzwerkkarten, PDAs, Mobiltelefone und Kisten voller Kabel. Jedes dieser Geräte war einmal modern. Jedes versprach, die Zukunft zu verändern. Und jedes wurde irgendwann von etwas Neuem abgelöst.
Beim Aufräumen des Kellers habe ich jedoch nicht nur alte Technik wiedergefunden, sondern auch ein Stück meines eigenen Lebens. Zwischen den Geräten lagen Fotos, Negative und Erinnerungen an Menschen, Orte und Erlebnisse, die mich bis heute begleiten.
Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis dieser Reise: Technik erzählt immer auch Geschichten über die Menschen, die sie genutzt haben.
Der Blick nach vorn
Beim Blick zurück empfinde ich deshalb keine Nostalgie. Ich wünsche mir weder Disketten noch Modems oder Röhrenmonitore zurück. Jede Generation von Technik hatte ihre Zeit und bereitete den Weg für die nächste. Die spannendsten Entwicklungen entstanden meist dort, wo niemand sie erwartet hatte.
Deshalb richtet sich mein Blick nicht in den Keller, sondern nach vorn: Was wird wohl in dreißig Jahren dort stehen?
Werden unsere Kinder oder Enkel eines Tages Smartphones, Notebooks oder Tablets mit demselben Staunen betrachten, mit dem wir heute auf Disketten oder Faxgeräte blicken? Werden sie sich fragen, warum wir Bildschirme berührten oder Tastaturen benutzten? Vielleicht werden sie über manches den Kopf schütteln, was für uns heute selbstverständlich ist.
Ich kenne die Antwort nicht.
Nach mehr als vierzig Jahren in der Welt der Informationstechnik habe ich gelernt, dass sich die wirklich großen Veränderungen selten ankündigen. Sie beginnen oft unscheinbar – mit einer Idee, einem neuen Gerät oder einer Technologie, die zunächst belächelt, kritisch hinterfragt oder sogar entschieden abgelehnt wird.
Was bleibt
Eines aber hat sich in all den Jahren nie verändert: Meine Neugier.
Sie begann mit einem Heimcomputer im Kaufhaus, führte über den ersten eigenen PC, Netzwerke, das Internet, die Cloud und Künstliche Intelligenz bis in die Gegenwart. Sie hat mich dazu gebracht, Fragen zu stellen, Neues auszuprobieren und mein Wissen mit anderen Menschen zu teilen.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieser Reise: Nicht einzelne Computer, Programme oder Technologien haben mich geprägt, sondern die Freude daran, ihre Möglichkeiten zu entdecken und zu verstehen.
Ich bin gespannt, welche Geschichten der Keller in dreißig Jahren erzählen wird.
Und ich freue mich schon heute auf den Moment, in dem ich dort wieder eine längst vergessene Kiste öffne – und neugierig feststelle, wie selbstverständlich die Technik von heute einmal geworden sein wird.

